Infos und Tipps für Antarktik-Reisende

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ANFORDERUNGEN FÜR ANTARKTIS-REISENDE

Man muss Tiere mögen, das Meer, einsame Natur. Offen sein für neue Bekanntschaften (man teilt sich ja während rund 16 Tagen ein Schiff), neugierig auf Unbekanntes. Und es hilft, wenn man kein all zu grosser „Gfrörli“ ist, obwohl es im antarktischen Sommer selten weniger als -2 Grad wird.

WELCHES SCHIFF SOLL MAN BUCHEN?

Wir reisten auf der deutschen MS-Bremen von Hapag Lloyd. Die Reise wurde von Background Tours als Leserreise der Tages-Anzeiger-Gruppe organisiert. Das heisst, es reisten Schweizer Experten mit: Astrophysiker/Astronaut Claude Nicollier, Ex-SRF-Moderator Reto Brennwald und SRF-Wettermann Thomas Kleiber. Nicollier und Kleiber hielten Vorträge über ihre Spezialgebiete und Reto Brennwald moderierte jeden Abend zur Apéro-Zeit witzige Gespräche mit Leuten vom Schiff oder auch mal mit Leitern einer Forschungsstation.

Die Schiffe von Hapag Lloyd haben aber auch immer eigene und hervorragende Experten an Bord. Bei uns waren es zwei Biologen und eine deutsche Journalistin, die sich in der Geschichte der Antarktis hervorragend auskannte. Alle Vorträge waren lehrreich, informativ aber auch witzig und unterhaltsam.

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Torsten Prietz (Expeditionsleiter), Dr. Wolfgang Wenzel (Biologe), Dr. Christine Reinke-Kunze (Expertin für Geschichte), Linda Rudin (Biologin, Walforschung)

 

Die Schiffs-Crew war vom jovialen Kapitän Jörn Gottschalk über den äusserst kompetenten Expeditionsleiter Thorsten Prietz  bis zum philipinischen Zimmermächen hervorragend und wir können das Schiff nur bestens weiter empfehlen!

Solltet Ihr mal eine Antarktisreise planen, bucht ein Schiff mit wenig Passagieren und hoher Eisklasse (4), damit das Schiff auch durchs Eismeer fahren kann. Die MS-Bremen kann max. 150 Passagiere aufnehmen. Das ist zwar teurer, aber sehr familiär und angenehm. Und sauteuer ist diese Reise sowieso…


 

ROUTE

ACHTUNG: Inzwischen gibt es grosse Kreuzfahrtschiffe, die von Ushuaia über die Drake-Passage direkt zur antarktischen Halbinsel fahren und viel günstiger sind. Aber: mit grossen Kreuzfahrtschiffen kann man keine Anlandungen machen, weil sich immer nur 100 Personen (inkl. Expeditions-Begleiter) an Land aufhalten dürfen! Bei 500 und mehr Passagieren, die in Gruppen aufgeteilt werden müssen, ist das zeitlich gar nicht zu bewältigen. Allenfalls sind Zodiacfahrten möglich aber ansonsten ist man immer auf dem Schiff. Und das ist hier wirklich sehr, sehr schade!

Achtet darauf, dass Ihr Südgeorgien (viele Tiere, landschaftlich sehr schön) besucht aber auch mindestens 3 Tage in der Region der antarktischen Halbinsel verbringt. Das kam auf unserer Reise leider zu kurz. Aber nur da erlebt man die Wunderwelt des Eises!


 

KABINENWAHL

Wer zu Seekrankheit neigt, sollte keinesfalls eine Suite buchen. Die liegen nämlich auf dem obersten Deck vorne. Und da sind die Wellen am extremsten spürbar! Am besten sind Kabinen in der Mitte des Schiffes und eher unten. Je weiter unten, desto besser hört man allerdings den Schiffsmotor. Ideralerweise bucht man Mitte-Mitte. Wir waren auf Stock 5 in Kabine 534 und die war genial. Ruhig, kurzer Weg zum Deck, kurzer Weg zur Bar…


 

SEEKRANKHEIT

Das Meer kann hier tatsächlich sehr rau sein. Besonders die Drake-Passage ist berüchtigt (bei uns war sie ein Ententeich). Doch ich habe im Mittelmeer schon viel schlimmere Tage erlebt, als hier in der Antarktis. Allerdings ist das natürlich immer Wetter-Glückssache. Am besten deckt man sich mit Stugeron (rezeptfrei) ein und nimmt schon einen Tag vor der Abreise eine Tablette (Verträglichkeit mit anderen Medikamenten prüfen). Nicht warten, bis es einem schlecht ist, lieber vorbeugen! Einige holten sich beim Schiffsarzt Pflästerli und hatten dann die ganze Reise keine Probleme mehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reise-Route Antarktis

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Abfahrt in Ushuaia am 6. Dezember 16 um 17.30 Uhr

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Falkland Inseln:

  • Bleaker Island
  • Hauptstadt Stanley

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Stanley, Falklands

Südgeorgien:

  • Salisbury Plain
  • Hercules Bay
  • Fortuna Bay
  • Stromness
  • Maiviken
  • Grytviken
  • St. Andrews Bay
  • Drygalski-Fjord

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Königspinguine auf Salisbury Plan, Südgeorgien

 

South Orkney Islands:

  • Base Orcadas (Argentinische Forschungsstation)

 

 

South Shetland Islands:

  • Penguin-Island
  • Half Moon Island
  • Deception Island mit Whalers Bay

 

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Zügelpinguin auf Penguine Island

 

Antarktische Halbinsel

  • Lemaire Kanal
  • Paradise Harbour
  • Orne Harbour
  • Gerlache Strait

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Orne Harbour auf der antarktischen Halbinsel

 

Via Drake-Passage zurück nach Ushuaia, Ausschiffung am 21.12.16

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Daten und Fakten zur Reise

  • Reisezeit auf der MS Bremen: 6. – 21. Dezember 2016
  • Zurückgelegte nautische Meilen: 3331 = 6196 Kilometer
  • Höchste Wellenhöhe: ca. 4 Meter
  • Max. Windstärke: 7 Beaufort (in Böen 10)

 

 

 

 

 

 

Bye, bye wonderful antarctica

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Das Betreten des antarktischen Festlandes wird mit Champagner gefeiert

Hiermit verabschieden wir uns wieder einmal von unseren treuen Reiseblog-Leserinnen und -lesern. Es war eine wunderbare, unvergessliche Reise. Wenn auch nicht die „Reise unseres Lebens“, wie es in der Ausschreibung angepriesen wird. Und obwohl die MS-Bremen ein wunderbares Schiff und wirklich wärmstens zu empfehlen ist, mutieren wir doch nicht zu Kreuzfahrern.

Die „Reise unseres Lebens“ ist für uns eher eine, die wir selber organisieren, die wir spontan und am liebsten mit unserem Mini-Wohnwagen machen. Aber in die Antarktis kann man nun mal nicht mit dem Wohnwagen.

Wir wünschen Euch alles Gute im 2017 und ebenfalls viele schöne, unvergessliche (Reise)-Erlebnisse, mit oder ohne Tiere aber immer mit lieben zweibeinigen Weggefährten!

Hebeds guet – bis zum nächsten Mal!

Wenn Ihr Beats schöne Fotos nochmals in einer Dia-Show geniessen möchtet, könnt Ihr das hier gerne tun.

Antarktis-Lektion Nr. 17: Die Reise seines Lebens kann man überall machen. Auch direkt vor der Haustüre, sofern Herz, Augen und Sinne offen sind!

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Auch im Namen meiner Crew: Tschüss zäme!

 

Einen haben wir noch:

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HOPPLA!

Ode an die Eiswüste

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Niemand verlässt den Palast des Eises, Antarktika, unberührt. Was bleibt, ist Erinnerung. Und eine neue Sehnsucht. Man möchte wiederkommen. Immer wieder …

Hast du das grosse Schweigen erlebt,
hast du gewagt, das Unbekannte aufzusuchen,
unbekannte Wege begangen,
die weissen Flecke der Karte gekreuzt.
Hast du entbehrt, gedürstet, gesiegt,
bist aufgegangen in der Grösse des Alls?
Hast du Gott in seiner unendlichen Grösse gesehen,
den Text gehört, den die Natur dir predigt?
Dann lausche auf die Weite, sie ruft dich zurück!

 Von Fridtjof Nansen (1861-1930) – norwegischer Polarforscher

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Im Palast des ewigen Eises

Und endlich, endlich sind wir im Land des ewigen Eises angekommen. Frühmorgens fahren wir durch den schmalen Lemaire-Kanal. Es ist, als ob man durch eine geheime Tür in ein Wunderland käme. Den ganzen Tag verbringen wir auf Deck und lassen uns einfach verzaubern. Eine Landschaft, so still und magisch, so anders als alles, was wir bisher gesehen haben. Es ist, ach was soll ich sagen… Bilder sagen mehr als 1000 Worte!

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Einfahrt in den Lemaire-Kanal

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Antarktis-Lektion Nr. 15: Die eindrücklichsten Erlebnisse findet man in der Stille

Openair der Pinguine

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Presse-Sprecherin des Sommer-Openairs für Königspinguine

Ich verspreche, das ist nun wirklich das letzte Mal, dass ich über Pinguine schreibe. Aber die Presse-Sprecherin der grössten Königs-Pinguin-Kolonie auf Südgeorgien (150’000 Tiere!) hat mich gebeten, etwas Werbung für ihr grosses Sommer-Openair zu machen. Diesen Wunsch konnte ich der Dame natürlich schlecht abschlagen…

 

pingus-1-von-1-2Hast Du gehört? Am kommenden Wochenende findet wieder das Sommer-Openair statt. Gehst Du auch hin?

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Mein Gott, was soll ich bloss anziehen? Ich brauche dringend einen neuen Sommer-Mantel!

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Bitte auf gutes Schuhwerk achten. Es könnte etwas schlammig sein.

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Mami, darf ich auch mit??  //  Mal sehen. Ich muss jetzt erst mal dringend zum Coiffeur! Wäsche, legge …

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Einige Teilnehmer campieren schon Tage vorher auf der Konzertwiese, um ja einen guten Platz zu ergattern.

Mist, wir sind extrem spät dran!

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Ehren-Tribüne

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Wo sind bloss meine Ohrenstöpsel???

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Meinst Du Sting kommt auch? Ich hätte so gerne ein Autogramm!

Einige Nachzügler sind noch im Anschwumm

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Der Kinderhort ist voll besetzt

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Bisschen Dichtestress hier …

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… hey buddy, lass uns ein Bier trinken gehen!

Also ich gebe es ja zu. Ich wurde bestochen. Als Gegenleistung für diese Reportage durfte ich mit Ehemann am Konzert teilnehmen! Gratis natürlich. Es war grandios!

Antarktis-Lektion Nr. 14: Dichte-Stress liegt in unseren Genen

Eis-Land in Sicht!

Willkommen im Land der Wunder, wo Wasserfälle aufwärts fliessen (Wind!), roter Schnee liegt (Algen), Gletscher direkt ins Meer kalben und Menschen Unmenschliches vollbracht haben. Im Positiven wie im Negativen.

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Im Drygalski Fjord

Wäre die Antarktis nicht so weit von aller Zivilisation entfernt, so unwirtlich kalt und unbewohnbar, das Eis so undurchdringlich dick, würde man sicher auch hier längst Ölplattformen bauen. Sollte Wasser auf der Welt eines Tages wirklich knapp werden, sind die Süsswasservorräte hier in Gefahr. Bereits wurde versucht, Eisberge mit Schutzblachen versehen per Schiff nach Argentinien abzuschleppen. Gottseidank hat sich das nicht bewährt: Der Eisberg endete vor der Küste als Wasser im Pazifik…

Während die nördliche Arktis als Eismeer, umgeben von bewohnten Kontinenten beschrieben wird, ist die Antarktis ein unbewohnter Kontinent, umgeben vom Südpolarmeer. Das macht die Region hier ziemlich einsam. Aber genau das ist auch so faszinierend.

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Zodiac-Fahrt im vereisten Drygalski-Fjord

Mir ist, als wären wir über Nacht auf einem anderen Planeten gelandet. Einem Planeten, den wir in seiner Schönheit aber auch in seiner Wildheit kaum fassen können. Ich fühle mich hier so winzig klein, den Naturgewalten so hilflos ausgeliefert, dass mir unser Schiff wie eine schützende Raumkapsel vorkommt. Jetzt verstehe ich auch, warum wir einen Astronauten an Bord haben. Claude Nicollier bestätigt, dass es sich im Weltall ganz ähnlich anfühlt wie in der Antarktis: überwältigend!

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So klein ist hier der Mensch: Zodiac vor Gletscher

Der antarktische Kontinent wurde erst im Jahr 1820 entdeckt und ist grösser als Australien. 98% des Landes sind komplett von Eis bedeckt. Das Eis auf dem Polarplateau hat eine mittlere Mächtigkeit von 2160 Metern, die grösste bisher gemessene Mächtigkeit beträgt 4776 Meter. Rund 80% der gesamten Süsswasservorkommen der Erde befinden sich in der Antarktis. Würde das gesamte Eis plötzlich abtauen, stiegen die Meeresspiegel um über 80 Meter an.

2013 wurde im Landesinneren ein neuer Kälterekord vermessen: minus 93,2 Grad. Und falls Ihr Euch immer noch nicht für die Antarktis erwärmen könnt: Es ist der kälteste, höchste, trockenste, entlegenste, unzugänglichste, am dünnsten besiedelte und windigste Kontinent der Erde. Willkommen im Tiefkühlschrank unseres Planeten!

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Man darf hier auch ein bisschen Titanic spielen. Leider ohne  Mann – jemand muss ja fotografieren…

Antarktis-Lektion Nr. 18: Die Antarktis muss unbedingt weiterhin geschützt werden!

 

Eier-Gate im Pinguin-Camp

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Es tut mir leid, ich muss nochmals von Pinguinen und Robben erzählen. Eine Spezies haben wir nämlich noch gar nicht vorgestellt. Den Esel-Pinguin. Er heisst tatsächlich so und ist ein sehr hübsches Kerlchen mit rotem Schnäbelchen und weissen Flecken über den Augen. Seinen Namen verdankt er nicht etwa Eselsohren, sondern seiner verbalen Kommunikation: er schreit wie ein Esel: ia, ia, ia.

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Wir könnten Stunden verbringen inmitten dieser putzigen Viecher und ihnen einfach nur zusehen, wie sie watscheln, robben, hüpfen und dazu kreischen, singen, röhren und auch mal lautstark görpsen und furzen. Öfters geht es rau zu und her. Die männlichen Pelzrobben liefern sich ständig irgendwelche Scharmützel und die Pinguine verpassen einem Stalker, der es auf ihre Frau abgesehen hat, auch mal eine kräftige Ohrfeige.

Pinguine brüten ihre Eier auf den Füssen oder unterm Bauch aus und je nach Art, wechseln sich Weibchen und Männchen ab. Einer geht fressen, der andere hält die Eier warm und schützt sie vor räuberischen Skua-Vögeln.

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Die Pinguine wehren einen Skua-Angriff erfolgreich ab

Es gibt übrigens auch schwule Pinguine. Manche hätten auch gerne Kinder. Und weil das Ding mit der Leihmutterschaft, Ei- und Samenspende noch nicht bis in die Antarktis vorgedrungen ist, schrecken sie nicht davor zurück, einer werdenden Mama das Ei zu klauen. Das brüten die beiden Männchen dann gemeinsam aus. Genauso kidnappen weibliche, kinderlose Pinguinfrauen das Jungtier einer Nachbarin. Und dabei gehen sie gar nicht zimperlich vor! Manchmal stürzen sich gleich mehrere Single-Frauen auf ein hilfloses Jungtier und erdrücken es schon mal in ihrem unerfüllten Mutter-Wunsch-Rausch. Pinguine sind halt auch nur Menschen, wie unser Pinguin-Experte lakonisch meinte. Oder sollte man nicht eher sagen: Menschen sind manchmal auch nur Pinguine??

Pinguine brüten gerne auf Felsen. Die Felskämme sind im arktischen Sommer schneller schneefrei und die Zeit drängt. Der Sommer ist kurz, die Brut muss rasch flügge werden. Da es kaum Vegetation gibt, bauen Pinguine ihre Nester aus Steinen. Diese klauen sie ebenfalls oft beim Nachbar, wenn der grad nicht aufpasst. Geht schneller und verbraucht kaum Energie.

Tagesbeschäftigung Nr. 1: Nachbars Steine klauen fürs eigene Nest 

Oft ist der Weg vom Nest zum Meer steil und lang. Die Tiere hüpfen den Schneepfad mehrmals täglich hoch, was unglaublich viel Energie verbraucht. Um sich zu kühlen, stellen sie ihre Flügel raus und heben die Füsschen an (s. Blog Antarktis-Yoga, Übung Kamel)

Runter zum Meer geht es dann allerdings ganz schnell: bäuchlings auf einer Schnee-Rutschbahn. Wir liessen es uns nicht nehmen, den Rückweg ebenfalls auf Pinguin-Art anzutreten: Auf dem Füdli diretissima zum Meer. Und geschrien haben wir ebenfalls wie Esel-Pinguine: ja, ja, ja!!!!

Antarktis-Lektion Nr. 12: Pinguine sind auch nur Menschen

Forschen und Baden

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Der Besuch einer Forschungsstation gehört auf einer Antarktis-Reise, wenn immer möglich, dazu. Wir durften die argentinische Base Naval Orcadas auf Laurie Island besuchen. Laurie Island gehört zu den Süd-Orkney-Inseln. Bereits 1904 wurde die Station von Schottland an Argentinien übergeben. Seit dieser Zeit ist die Station – anfangs bloss eine winzige Steinhütte – ununterbrochen besetzt und ist damit die älteste, ständig bewohnte Station in der Antarktis. Die Forschungsschwerpunkte sind Gletscher- und Erdbebenkunde sowie Meteorologie.

Heute ist die Station natürlich ein modernes Gebäude und im Sommer von 45, im Winter durchschnittlich von 14 Personen bewohnt. Pro Jahr verbraucht die Station 192’000 Liter Treibstoff, der auch der Stromerzeugung durch 4 Generatoren dient. Das Wasser wird aus Eis geschmolzen. Zwei Schiffslieferungen pro Jahr dienen der Versorgungssicherung der Station und ein Arzt betreibt ein Mini-Spital mit vier Betten. Und natürlich gibt es auf einer argentinischen Forschungsstation auch eine Bar und eine Kirche.

Als wir in der kleinen Bucht anlandeten, besuchte gerade ein Schwarm Kap-Sturmvögel den Strand. Im Hintergrund der blauschimmernde Gletscher, davor die schwirrenden Vögel, die wie riesige Schmetterlinge auf und nieder tanzten. Ein unvergessliches Schauspiel.

Video der Kap-Sturmvögel:

Und weil so ein Tag auch unvergesslich zu Ende gehen soll, hatten sich unsere Expeditionsleiter etwas Besonderes ausgedacht:

Die Täuschungs-Insel (Deception Island) ist innen sozusagen hohl, was man vom Meer her kaum sehen kann. Ein Vulkan brach vor langer Zeit zusammen und hinterliess einen riesigen Krater, die sogenannte Caldera. In diesen Kratersee kann man durch eine schmale Öffnung (Neptuns Blasebalg) hineinfahren.

Am Strand der Whalers Bay gibt es heisse Quellen, in denen man sich fast die Füsse verbrennt. Früher durfte man sich eine Kule schaufeln und im heissen Wasser baden. Das ist nun nicht mehr erlaubt (keine Eingriffe in die Natur). Und deshalb ist das Bad im Meer nur noch etwas für Hartgesottene. Wozu wir natürlich gehören! Es schneite. Lufttemperatur: minus 2 Grad, Wassertemperatur 2.5 Grad. Aber wir sind nun verbriefte Mitglieder im „Whalers Bay Swimming Club“. Wir sind jetzt auch Helden…

Und ja, es gibt auch Beweis-Fotos von uns im Wasser. Aber wir werden uns hüten, diese hier zu publizieren!

Antarktis-Lektion Nr. 11: Die Antarktis bietet im Sommer auch Strandurlaub!

Helden-Epos und Löwenzahn

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Die Antarktis wurde im Vergleich zu anderen Kontinenten sehr spät entdeckt und wegen ihres Eisschildes und unwirtlichen Klimas auch bald wieder verlassen. Niemand lebt hier dauerhaft. Dafür tragen viele Inseln, Fjorde und Meere die Namen von Forschern und Entdeckern. Verschiedene Länder betreiben rund 80 Forschungsstationen auf dem antarktischen Festland, die vorwiegend im Sommer besetzt sind.

Die Entdecker-Geschichten sind in dieser eisigen Region natürlich von Heldentum und Heldenwahnsinn gezeichnet. Als Erster erreichte der Norweger Roald Amundson am 14. Dezember 1911 den geographischen Südpol. Der britische Expeditionsführer Robert Falcon Scott brach fast gleichzeitig auf einer anderen Route auf, traf jedoch erst am 17. Januar 1912 am Südpol ein und konnte die britische Flagge nicht mehr hissen. Er und seine Mannschaft kamen auf dem Rückweg alle ums Leben.

Es gibt Dutzende von spannenden Büchern und Filmen zu diesen entbehrungsreichen Expeditionen – wer also mehr wissen will, einfach google nutzen.

Doch wer in die Antarktis fährt, kommt um Sir Ernest Henry Shackelton nicht herum. Hier eine Kurzfassung seines Helden-Epos:

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Sir Ernest Henry Shackleton 1874-1922

Der britische Polarforscher irischer Abstammung war nicht nur ein hervorragender Seemann, er sah auch unverschämt gut aus. Shackelton wollte, wie viele andere – endlich Antarktika erreichen. Bei einer seiner Expeditionen blieb sein Schiff Endurance 1915 im Eismeer stecken. Nach Monaten des Wartens taute das Eis langsam auf, doch statt das Schiff zu befreien, erdrückten es die wandernden Eismassen und die Endurance sank.

Die Mannschaft rettete sich auf Elephant Island. Weil hier keine Hilfe zu erwarten war, machte sich Shackelton mit drei Mann und einem kleinen Segelboot auf den Weg nach Südgeorgien. 1500 Kilometer durch stürmische See, die sie nur knapp überlebten. Total entkräftet fanden sie nach 26 Tagen endlich Südgeorgien. Doch die rettenden Walfang-Stationen befanden sich auf der anderen Seite der Insel. An eine Inselumquerung per Boot war wegen Erschöpfung und hohem Seegang nicht mehr zu denken. Shackelton überquerte also mit einem Begleiter die Insel zu Fuss. Über schneebedeckte hohe Berge, vorbei an gefährlichen Gletscherspalten, mit vielen Umwegen, da es ja keinen Weg gab. Das Erste, was er nach harten zwei Tagen hörte, war das Pfeifen der Walfang-Sieder von Stromness. Da wusste er, dass er es geschafft hatte.

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Alte Walfangstation Stromness

Doch Shackeltons Mannschaft harrte noch immer auf Elephant Island aus. Mit einem Walfangschiff fuhr er nach Falkland, wo er einen chilenischen Kapitän fand, der sich bereit erklärte, das sturmumtoste Elephant Island anzulaufen. Zweimal mussten sie die Rettung abbrechen, doch beim dritten Versuch klappte es. Alle 30 Männer lebten noch und konnten gerettet werden. Shackelton war ein Held. Er starb 1922 auf einer weiteren Expedition mit 48 Jahren an einem Herzinfarkt auf seinem Schiff. Man beerdigte ihn auf Wunsch seiner Frau in Grytviken und sein Grab ist zum Pilgerort aller Antarktis-Fahrenden geworden.

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Grab von Sir Ernest Shackleton auf Grytviken

Die geretten Seemänner hingegen kehrten nach Europa zurück, wo viele von ihnen in den Schützengräben des 1. Weltkriegs starben. Vom Fegefeuer direkt in die Hölle. Was für eine Tragödie!

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Vom Wasserfall nach Stromness: Shackeltons letztes Wegstück

Die letzte Strecke, die Shackelton zur Walfangstation Stromness zurücklegte, ist eine schöne Wanderung (1,5 Stunden). Ebenso schön ist die Wanderung von der Bucht Maiviken nach Grytviken. Maximal 100 Personen dürfen gleichzeitig an Land. Wir sind 140 Personen. Nun ratet mal, wie viele Schweizer sich für die als zum Teil steile, 3-stündige Wanderung angemeldet hatten? Bingo! 130. Zum Glück traten noch ein paar freiwillig zurück und so konnten wir starten. Da man als Gruppe zusammenbleiben muss (man möchte hier auch wirklich nicht verloren gehen), zog sich ein roter Tausendfüssler durch die atemberaubende Landschaft.

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Rotjacken wandern von Maiviken nach Grytviken

Unsere Biologen erzählen uns auch immer wieder interessante Dinge zu Flora und Fauna. Der gesichtete Löwenzahn z.B. ist hier nicht heimisch. Der Grund, warum er hier gedeiht ist Folgender: Viele norwegische Walfänger starben auf Südgeorgien. Nun ist es  in Norwegen Tradition, in heimischer Erde begraben zu werden. Da dies aus logistischen Gründen nicht möglich war, brachte man norwegische Erde nach Grytviken. In jedes Grab kam eine Schaufel davon. Inklusive Löwenzahn. Und so gedeiht der blinde Passagier nun auch auf Südgeorgien ganz vorzüglich!

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Antarktis-Lektion Nr. 10: Volksport Nr. 1 der Schweizer ist tatsächlich Wandern! Statt roter Socken gibt’s in der Antarktis einfach rote Jacken.