Thailändischer Wecker und Water-Yoga

Frühmorgens weckt uns eine ziemlich laute, schrille Stimme. Definitiv nicht tierischen Ursprungs! Scheppernd tönt es aus viel zu kleinen Lautsprechern mit viel zu hohem Lautpegel. Das darf doch nicht wahr sein! Da fahren wir 8 Stunden zu einer weeiiiit entfernten Insel, um täglich mit gebrüllter Wahlpropaganda geweckt zu werden? Doch dann kommt Musik und obwohl ich das Lied nicht kenne, tönt es irgendwie – nach Nationalhymne. Und tatsächlich: In Thailand wird jeden Morgen die Nationalhymne in Radio und Fernsehen gespielt. Sitzende springen auf, Männer legen die Hände an die Hosennaht, wölben stolz die Brust und stehen stramm. Einige Thais richten sich sogar nach Bangkok aus. Von Touristen wird das zwar nicht erwartet, aber aufstehen sollte man schon. Die Nationalhymne heisst Pheng Chat Thai und wurde von einem österreichischen Emigranten komponiert. Ob ich sie deshalb erkannt habe? Hat so was europäisch-feierliches … Das Ganze wiederholt sich um 18 Uhr. So nach dem Motto: täglich grüsst das Murmeltier. Und einen Wecker brauchen wir definitiv nicht mehr.
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Blick von unserem Bungalow aufs Meer

Wenn wir schon wach sind, können wir ja einen Morgenschwumm im Meer nehmen. 150 Stufen runter zum Strand – doch wo bitteschön ist das Meer??? Hat mich jetzt die Nationalhymne so verwirrt, dass ich Sinnestäuschungen habe? Vor uns liegt nämlich nicht die türkisfarbende See von gestern, sondern – nichts! Es sieht aus wie an der Nordsee bei Ebbe. Ist das jetzt ein Tsunami? Sofort wieder 150 Stufen raufgalopieren? Es ist gottseidank Ebbe. Und zwar ziemlich Ebbe! Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt hier gut 4 Meter! Geht man also während Ebbe schnorcheln, kann man quasi durch die Korallen hindurchschwimmen, bodennah und da begegnet man eben diesen Tigerschlängli auf Augenhöhe. Aber lassen wir das. Wir machen jetzt erst mal eine Wattwanderung!

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Danach gibts Wasser-Yoga. Eine Eigenkreation von uns. Nach Wechseljahr-Yoga, Antioxidant-Yoga, Detox-Yoga finden wir, es ist höchste Zeit dafür! Bisher gibt es erst zwei Übungen. Die erste heisst: „Beetle upside-down“ und geht so: man legt sich mit dem Rücken nach unten ins Meer, streckt alle Viere von sich und lässt sich wie ein Stück Holz an den Strand treiben. Entspannungsfaktor 10. Die zweite Übung ist von Beat, heisst „Water-Cobra“ und geht so: Man legt sich auf den Bauch strandnah ins Meer, lässt das warme Wasser bist zur Brust schwappen und tut – nichts. Stufe zwei der „Water Cobra“ ist: man stellt noch ein eiskaltes Chang-Bier dazu. Entspannungsfaktor 10+. Wir sind überzeugt, dass dies zum Trend-Yoga 2014 wird. Copyrights haben wir bereits angemeldet.

imageWater Yoga 1: beetle upside down

imageWater Yoga 2: water cobra

Wenn die Sonne untergeht, erwachen die Lebensgeister. Und man muss so schwierige Entscheidungen treffen wie: Trinken wir das Bier heute an der Sunset- oder doch lieber an der Sunrise-Beach? Gehen wir zu Fuss oder nehmen wir ein Inseltaxi?
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Insel-Taxi für zwei: Beat auf dem Sozius …


image… ich im Seitenwagen.

 

Man wird träge hier und langsam und hat viel Zeit zum Schauen und sich amüsieren. Wir essen – die Füsse im Sand – die knusprigsten Fish-Cakes der Welt und staunen, was sich hier so alles abspielt. Ein kleiner Wonneproppen wird im Restaurant fudiblutt abgeduscht und findet das quitschfidel. Zwei Hunde kopulieren, wobei, wie so oft, der Kleinere den Grösseren besteigt. Ein zweifelhaftes Vergnügen, weil nun ja, die architektonischen Verhältnisse unüberwindbar sind. Nebenan lassen sich seufzende Touristen die Füsse massieren und aus der Bar ertönt chillige Reggae-Musik. Ich könnte ewig hier sitzen und über untenstehenden Satz sinnieren ….

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Strandleben am Abend: Lichter, Sand und Musik

Von Tigerschlangen und Schlangenbooten

Tigerschlagen hin oder her – Frau muss auf den Schnorchelausflug mit. Wiederum haben wir im Long-Boat zwei Führer, bzw. einen Fahrer und einen Co-Piloten. Der Co-Pilot ist 11 Jahre alt. Es hat fürchterlich gewittert heut nacht und ich bin etwas skeptisch, wenn ich so den Himmel betrachte. Blitz und Donner auf einem Long-Boat – ich weiss nicht… Doch die Lady vom Tauch-Shop beruhigt mich – der Fahrer ist ein Chao Leh und weiss was zu tun ist, wenn ein Gewitter aufzieht. So, so …
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Es zieht keines auf. Die Fahrt ist wunderbar, die Schnorchelplätze auch. Der junge Mann hilft tatkräftig mit und taucht wie ein Fisch. Er öffnet unter Wasser Muscheln, was Dutzende bunter Fische zum Fressen anzieht, er wirft den Anker aus und lässt die Leiter für die etwas tolpatschigen Europäer herunter, damit wir auch sicher wieder ins Boot gelangen. Wir picknicken an einem einsamen Strand, tauchen immer wieder ab und als ich – verflixt nochmal – tatsächlich nochmals eine Seeschlange entdecke habe ich gar keine Angst mehr. Es ist einfach nur schön hier unten im Meer, bei all den Fischen und Korallen.

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Auf dem Rückweg lässt der Vater seinen Sohn ans Steuer. Und wie er sich da so ins Zeug legt und jauchzend auf den Wellen surft, da ahnen wir beide, was der Junge werden will: Longboat-Fahrer wie sein Vater. Wenn der Sohn nur einen Hauch seiner Freude, seiner Leidenschaft und seines offensichtlichen Stolzes ins Erwachsenenleben mitnehmen kann, dann, ja dann ist Longboat-Fahrer eine gute Wahl. Denn das ist es doch, worauf es ankommt. Das, was man tut mit Liebe  und Leidenschaft zu tun und stolz auf seine Arbeit zu sein. Egal, ob man ein Longboat fährt, Haare schneidet oder eine Firma leitet. Ich hoffe, der kleine Junge wird ein stolzer und glücklicher Longboat-Fahrer, denn so können die Chao Leh weiterhin von ihrem Seefahrer-Wissen leben und dieses an die nächste Generation weitergeben.

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Inselglück mit Tieren

Darf ich vorstellen? Serendipity, unser Ferienparadies für ein paar Tage. Serendipity wird bei „Leo“ folgendermassen übersetzt: „Die Gabe, zufällig glückliche und unerwartete Entdeckungen zu machen“. Wie wahr!
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In unserem Bungalow ist Folgendes im Preis inbegriffen: Frühstück, tägliches Fitness-Programm in Form von 150 Stufen unterschiedlicher Höhe und Breite, eine Katze mit Pompon-Schwanz, ein Hund mit Migrationshintergrund, diverse Geckos, ein bisher unidentifiziertes Tier, das unter unserem Bungalow wohnt aber sicher ein Fell und einen Schwanz hat. Ausserdem ein garantiert 100% biologisches Antimückenmittel in Form eines Frosches. Er heisst „Jump“. Es werden hier über die Gäste im voraus weitreichende Recherchen getätigt und das Angebot den Bedürfnissen angepasst. In unserem Fall bedeutet das Gratis-Internet und Gratis-Tiere.

imageDe Katze haben wir in Anlehnung an familiäre Katzenliebschaften Lini getauft (meine katzenliebende Mutter heisst Lina und mein Bruder Didi und seine Frau Bettina haben kürzlich ein Büsi namens Luna adoptiert). Das arme Tier, wohnhaft an der verkehrsreichen Winterthurerstrasse, hatte nach viermonatiger Dunkelhaft im Haus endlich Ausgang erhalten, allerdings nur in einem roten „Gstältli“. Luna fand das doof und hat sich in einem Gebüsch schleunigst davon befreit. Sie konnte aber trotzdem wieder eingefangen werden. Wir waren dankbar, das zu vernehmen!imageBei Tageslicht betrachtet, stellten wir jedoch schnell fest, dass unser „Lini“ ein „Linus“ ist und eigentlich eher aussieht wie ein Hyänix. Aber Schönheit ist ja nicht entscheidend – das Tier ist sehr lieb und anhänglich und brüllt genau so laut nach Futter wie Luna oder Strizi. Der Hund hat noch keinen Namen, aber das wird schon noch.imageiNoch vor ein paar Jahren galt die Insel Ko Lipe als kaum erschlossenes Rucksacktouristen-Paradies. Ein paar einfache Hütten, Longboats und ein Dorf von Seefahrern, die hier sesshaft wurden. Nicht ganz freiwillig natürlich. Man hatte sie von der Nachbarinsel Ko Adang umgesiedelt, weil diese nun als unbewohnter Nationalpark geschützt ist. Ko Lipe war aber keine schlechte Alternative. Es gibt Grundwasser und gute Fischgründe – für die Chao Leh, wie die Einwohner hier heissen, eine wichtige Lebensgrundlage. Allerdings mussten sie erst die hier lebenden Krokodile von der Insel vertreiben, bzw. jagen und aufessen. Der Stärkere vertreibt den Schwächeren – ein ewiger Kreislauf…imageSchnorchelparadies vor der Haustüre

Krokodile hats nun also keine mehr, gottseidank, und die Fische wurden auch (noch) nicht allesamt ausgerottet. Dafür wächst die Insel aber zu schnell – der Tourismus schreitet auch hier unaufhaltsam voran – nicht zu ihrem Vorteil. Geschäftstüchtige Thai-Chinesen kauften den Chao Leh ihre Strände ab zu Beträgen, die in keinem Verhältnis stehen zu den Einnahmen, die sie nun mit ihren Ferienresorts generieren.Trotzdem ist Ko Lipe immer noch sehr schön und zumindest Ende Saison wunderbar beschaulich. Was man hier tun kann? Man könnte z.B. auf den 240 Meter hohen Berg der Nachbarinsel wandern (tun wir nicht, weil zu heiss). Man kann rund um die Insel wandern (3 Stunden): ebenfalls zu heiss. Man kann Taucherbrille und Flossen anziehen und direkt am Strand in ein Aquarium eintauchen. Tun wir sofort! Alles so schön bunt hier! Am besten gefallen mir die gepunkteten Koffer-Fischli mit ihren kleinen, über den ganzen Körper verteilten Flösschen, die wie Mini-Propeller rotieren. Wir haben auch einen Seestern gesichtet, diverse Seegurken, die nichts tun, ausser faul am Boden rumzuliegen. Und dann sehe ich plötzlich etwas schwarz-weisses, langes, dünnes, schlangenähnliches….Ich rufe Tauch-Profi Beat zur Besichtigung herbei und er sagt, das sei tatsächlich eine Seeschlange aber 90% davon seien ungiftig, was mich doch ziemlich beruhigt.
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Abends im Bett revidiert er dann allerdings seine Meinung. Er hatte im Internet nachgeschaut. Was ich erspäht habe ist eine „laticauda colubrina“, 1.20 m lang und gehört zu den giftigsten Schlangen der Welt. Aber ihr Maul sei zu klein, um einen Menschen so richtig beissen zu können. Na prost!! Wers glaubt wird seelig oder was? Dass einem Männer solche Dinge vor dem Schlafengehen sagen müssen?? Zumal am nächsten Tag ein Schnorchel-Tripp ansteht … Blöd, echt!!
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Eine Bootsfahrt, die ist lustig, eine Bootsfahrt, die macht froh …

Ich sammle Reiseberichte wie andere Leute Kochrezepte und gehöre zu der Spezies, die solch ausgerissene Träume ab und zu auch Realität werden lässt. So bin ich schon zu einigen unvergesslichen Destinationen gereist, wie z.B. per Seemobil auf der Havel und durch die Seen von Brandenburg. Auf einer Draisine durch die schwedische Wald-Seenlandschaft gekurvt. Und habe die litauische“kurische Neerung“, eine der grössten Sanddünen Europas, bewundert. Diesmal eben Khao Sok und Ko Lipe. So Frauenheftli haben durchaus auch ihre guten Seiten! Und das ist wörtlich gemeint.

Ko Lipe ist eine 3 km lange und 400 Meter breite Insel im südlichsten Thailand, nahe der Grenze zu Malaysia. Weisse Strände, ein Korallenriff, türkisfarbenes kristallklares Wasser, Kokospalmen, Cashew-Nussbäume, viele Hunde und Katzen. Ausserdem Krebse, die in geklauten Schneckenhäuser über den nächtlichen Strand joggen und natürlich wieder jede Menge „Creep Crawlers“. Ja und Touristen hats natürlich auch.

Ko Lipe will verdient sein. 5 Stunden dauert die Fahrt mit der Fähre gemäss Reiseführer von Phuket nach Ko Lipe. Beat hatte zwei Plätze auf der Tigerline-Ferry gebucht. „Tigerline“ und „Speedboat“ sind Worte, die sofort Bilder im Kopf entstehen lassen: Ein stattliches Schiff, 2 klimatisierte Stockwerke mit grossen Fenstern, ein Freiluftdeck und ein grosser Kiosk für Getränke und Verpflegung. Hatten wir in Phuket am Hafen gesehen. Fünf Stunden, ein kühler Drink in der Hand und aus bequemen Sesseln all die Ko Pi Pis, Ko Tans, Ko Irgendwas (Ko = Insel) an uns vorbeiziehen zu sehen, erschien uns die adäquate Vorbereitung auf Ko Lipe zu sein. Paradiese soll man bekanntlich langsam anreisen.adäquate Vorbereitung auf Ko Lipe zu sein. Paradiese soll man bekanntlich langsam anreisen.

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Voller Vorfreude und in Anbetracht der Tatsache, dass das Boot um 8 Uhr ablegt, verzichten wir aufs Früstück, weil wir ja im Schiff genügend Zeit dafür haben werden. Und – oh wunder – das Check-In startet pünktlich um 7.30 Uhr. Allerdings ist nicht der schöne, oben beschriebene Kahn unser Schiff. Viel mehr müssen wir mit unseren Koffern über dieses schöne und noch andere Schiffsdecks hinweg klettern. Hier gibt es keine Schiffsstege, die Boote reihen sich einfach aneinander und man steigt über deren Decks hinweg zu seinem Schiff. Brauche ich zu erwähnen, dass unser Kahn das äusserste Schiff war? Und ich mich auf dem letzten Schiffswrack stehend ausserstande sah, mich und meinen Koffer auf unsere Fähre zu befördern? Gnädigerweise nahm mir dann doch noch ein „Stewart“ mein Köfferli ab und ich konnte an Bord klettern.

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Wo bitte ist unsere Fähre??

Voller Vorfreude und in Anbetracht der Tatsache, dass das Boot um 8 Uhr ablegt, verzichten wir aufs Früstück, weil wir ja im Schiff genügend Zeit dafür haben werden. Und – oh wunder – das Check-In startet pünktlich um 7.30 Uhr. Allerdings ist nicht der schöne, oben beschriebene Kahn unser Schiff. Viel mehr müssen wir mit unseren Koffern über dieses schöne und noch andere Schiffsdecks hinweg klettern. Hier gibt es keine Schiffsstege, die Boote reihen sich einfach aneinander und man steigt über deren Decks hinweg zu seinem Schiff. Brauche ich zu erwähnen, dass unser Kahn das äusserste Schiff war? Und ich mich auf dem letzten Schiffswrack stehend ausserstande sah, mich und meinen Koffer auf unsere Fähre zu befördern? Gnädigerweise nahm mir dann doch noch ein „Stewart“ mein Köfferli ab und ich konnte an Bord klettern.

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Hüter des einzigen Stuhls im Schatten

image„Lounge“ auf unserer Fähre mit Sicht auf den Kapitänsplatz

Pünktlich um 8 verliess der Kahn den Hafen. Erst da wurde uns bewusst: es gab auch keinen Kiosk auf diesem Schiff. Wasser hatten wir dabei, also keine akute Verdurstungsgefahr. Frühstück musste jedoch ausfallen. Mittagessen ebenso. Und die Fahrt dauerte nicht 5, sondern 8 Stunden. Jä nu, machen wir halt einen dieser zur Zeit so innig empfohlenen wöchentlichen Diättage. Da fiel mir ein, dass ich auf dem Nachtmarkt in Phuket noch 2 Mangos gekauft hatte. Wir sparten sie uns fürs Mittagessen auf. Um 13 Uhr holte ich die Dinger hervor. Saumässig zäh die Schale. Und ebenso saumässig hart das Fruchtfleisch. Es handelte sich nicht um reife, süsse Mangos, sondern um grüne Mangos, aus denen man durchaus einen akzeptablen Salat machen könnte mit den entsprechenden Zutaten. So schmeckten sie – nun ja – irgendwie ähnlich wie rohe Kartoffeln, bloss saurer. Aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen.
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Immerhin sprangen am Hat Yao Pier, den wir zum Tanken anliefen, flugs ein paar Kinder an Bord und verkauften köstliche Wassermelonen und Ananas. Unsere Frucht-Diät konnte erfolgreich fortgesetzt werden.
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Was ist daraus zu lernen? Vetraue keinen Bildern im Kopf! Und machs Beste draus: Ausser einem schmerzenden Hintern und ein bisschen Sonnenbrand hats uns in keiner Weise geschadet. Ach ja: Die Aussicht auf die Andaman-Sea war phantastisch!
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PS: Bei einem Blick auf die Website von Tigerliners habe ich festgestellt, dass man sich eine Mahlzeit hätte reservieren lassen können. Kaum zu glauben, dass dies meinem Mann entgangen ist!! Allerdings – als ich das Menü anklickte und das Bildli dazu sah, verging mir der Appetit subito.  Dann doch lieber Früchte-Diät!

Zurück in den Dschungel

So ganz abgeschrieben haben wir die Wasserfälle noch nicht und da wir heute etwas mehr Zeit haben, machen wir uns nochmals auf zu einer Dschungeltour. Doch die Wasserfälle sind auch diesmal nicht viel beeindruckender. Was solls – es ist halt nicht Regenzeit und bädele ist ja auch nicht schlecht bei Temperaturen über 35 Grad. Ausserdem ist der Regenwald einfach wunderschön! Bambus-Kathedralen wechseln ab mit Lianen, Riesenfarnen und Bäumen mit weit verzweigten, riesigen Flachwurzeln. So nehmen sie ihre selbstproduzierten Kompostnährstoffe auf und in der Tiefe ist eh nichts weiter als Sand. Leider gibt es nicht mehr viel Regenwald in Thailand – wie vielerorts wurde er abgeholzt und landwirtschaftlich umgenutzt. Doch die nährstoffarmen Böden gaben schnell nichts mehr her. Umso wichtiger, die noch bestehenden Regenwälder in Nationalpärken zu erhalten.
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Wir liegen also im warmen Wasser und lauschen den Dschungelgeräuschen. Leider können wir nicht behaupten, dass hier angnehme Stille herrscht. Nicht nur die Affen schreien rum, auch unzählige Zikadensorten sorgen für einen Höllenlärm. „Miss Kettensäge“ z.B. geht uns ziemlich auf den Geist, doch noch schlimmer ist die Alarm-Zikade, welche einen so hohen, durchdringenden Pfeiffton ausstösst, dass es einem durch Mark und Bein geht. Auch die amerikanische Feuerwehr ist hier und die Mopeds von Bangkok haben sich offenbar auch in den Regenwald verirrt.
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Badeplatz im Dschungel

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Weil uns auch keine Elefanten oder Tapire vor die Linse laufen und die grösste Blüte der Welt (Raflesia) ebenfalls schon verwelkt ist, spielen wir halt noch ein bisschen Tarzan und Jane. Den Urwaldschrei muss Beat allerdings noch ein bisschen üben. Soll ja eine Mischung aus österreichischem Jodel und Techno-Beats gewesen sein.

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Danach gibts ein kühles Chang am River Sok.  Vom „Riitseili“ kann ich mich rückwärts direkt in den Fluss rollen lassen, nur um beim Rauskrabbeln gleich von roten Ameisen gefressen zu werden. Jetzt reichts mit den „creapy crawlers“ – ab ins Open-Air-Restaurant. Hier residiert eine Thai-Familie mit mind. 7 Kindern zwischen 1 und 15 Jahren. Mitten im Restaurant steht ein Riesen-Laufgitter, wo auch Oma und Papi locker reinpassen. Die Kleinsten werden in Gummiwannen im Restaurant gebadet, in „Hello Kitty“-Pijamas gesteckt und dann guckt man zusammen im Laufgitter (!) „Tom und Jerry“.
Alles so relaxt hier! Leider ist das Essen nicht so gut, wie wir es erwartet hätten. Aber schliesslich kochen auch nicht alle Schweizer gut! Man kann im Leben nicht alles haben und wie sagt es doch Nam Paik so schön: „Wenn zu perfekt, liebe Gott böse“
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to be followed…

Auf dem Chiew Lan See

Tag zwei auf dem Chiew Laan Lake. Erst jetzt verstehe ich, wieso hier alle nur eine Nacht bleiben. Ich hatte mir vorgestellt, einen Tag lang einfach vor unserem Hüttchen rumzulümmeln und immer mal wieder ins Wasser zu springen oder mit dem Kanu rumzupaddeln. Das Problem ist nur: es wird 40 Grad heiss in der Sonne und der einzige Schatten befindet sich – in der Hütte… Ausserdem gibt es nur eine Liege, auf welche problemlos 2 Thais aber nur ein Beat und keinesfalls Esti & Beat passen! Ausserdem zwei Kinderstühle und darauf will weder ich noch mein Gatte den ganzen Tag hocken. Also schnappen wir uns nochmals Su, um einen Ausflug zur Fledermaus-Höhle zu organisieren. Oh sorry, no guides today. Aber zu einer anderen Höhle würden sie uns fahren, natürlich gegen Geld für Diesel. Alles klar und no problem!
Balkon
Liege für 2 Thais und 1 Europäer plus Kinderstühle. Schatten für eine halbe Stunde….
Um 13 Uhr solls losgehen. Wir Schweizer sitzen denn auch punkt 13 Uhr mit Hut und 50+Sonnencreme bewaffnet am Pier. Ein Schiff wird kommen. Vielleicht. Irgendwann… 40 Minuten später kommt tatsächlich ein Longboat, doch der Fahrer scheint sich zu weigern, weiterzufahren. Auf keinen Fall mit uns allein. So wird kurzerhand der Sohn unserer Vermieterin, der sich ja auch schon als Insektenbekämpfer einen Namen gemacht hat, zu unserem Guide befördert. Los gehts! Es ist wunderschön, über den einsamen See zu tuckern, der Fahrtwind kühlt angenehm und das Sonnendach spendet Schatten. Die Landschaft ist grandios, einsam und verlassen. Alles perfekt!
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Morgen Safari
Doch nach einer halben Stunde hält der Kahn. Wir sichten auf einer Insel eine Handyantenne ( es gibt auf dem See kein Internet und auch keinen Telefonempfang ausser um diese Antenne herum).  Schon zückt unser Guide sein Nokia. Da wir nichts verstehen, können wir nur ahnen:
1. Das Boot ist defekt
2. Die beiden kennen den Weg zur Höhle nicht
Nach weiteren 20 Minuten gehts doch weiter – ergo war Fall 2 eingetreten. Und nach einer längeren Fahrt, einem Bushwalk und Umsteigen auf ein Bambus-Floss finden wir tatsächlich die Höhle. Unser Guide führt uns stolz mit einer Lampe in die Dunkelheit und da er vor allem an die Decke leuchtet, stolpern wir mehr durch die stockdunkle Gruft als dass wir gehen und sehen. Aber die Höhle mit ihren Stalagmiten und Stalaktiten ist eindrucksvoll.
Bambussfloss zur Höhle
Bambusfloss zur Höhle
Den Rückweg treten die beiden jungen Männer mit neu gewonnenem Selbstvertrauen an und brausen in beachtlicher Geschwindigkeit über den See. Um 18 Uhr wirds ja auch dunkel. Plötzlich gibts einen Knall und um ein Haar wären wir in hohem Bogen von Bord geflogen. Das Boot bäumt sich seitlich auf und ich bin sicher, dass wir kentern. Doch der Kahn ist gefügig und gleitet wieder in die Ausgangslage zurück. Unsere Guides sind allerdings kreidebleich geworden und jetzt muss das Boot nach möglichen Lecks genaustens untersucht werden. Der See ist nämlich ein Stausee auf dessen Grund noch immer viele tote Bäume stehen. Einige ragen sichtbar über die Wasseroberfläche, andere verbergen sich tückisch darunter… Wiederum Glück gehabt, das Boot läuft nicht voll.
Doch als wir zum Handyfelsen gelangen, wird wieder das Telefon gezückt, verhandelt, diskutiert. Allerdings ist jetzt auch der Handy-Akku leer… Guide 1 sprüht blaue Zeichen auf eine Schwimmweste. Ich verstehe ja nicht viel von Nautik aber Schwimmwesten mit Zeichen zu besprühen, bedeutet definitiv nichts Gutes!  Ich stelle mich schon darauf ein, die Nacht auf dem Kahn zu verbringen. Wir könnten ja auch zur Handy-Insel schwimmen und dort ein bisschen „Robinson, ich will raus hier“ spielen. Aber da wohnen ja die früchtewerfenden Affen und ausserdem gibts in diesem Regenwald auch noch freilebende Elefanten, Tapire und Geparde, mit denen ich ungern ein Nachtlager teile.
Bald naht ein anderes Boot und sofort gestikuliert Guide 1 wild mit der bemalten Weste und schreit – nun ja wir nehmen mal an – um Hilfe. Und die naht auch tatsächlich mit besagtem Boot: es ist ein Kanister Diesel…Es ist ja so, dass in Thailand einem niemand sagt, wenn etwas nicht i.O. ist und man auch eher eine falsche Auskunft als keine bekommt. Nein sagen oder Nichtwissen bedeutet für Thais das Gesicht zu verlieren. Das ist nun mal Kultur hier und es ist zwecklos, dagegen anzukämpfen oder gar wütend zu werden. Letzteres ist extrem unhöflich und lässt den beschimpften Thai das Gesicht noch mehr verlieren. Also besser schweigen und geschehen lassen.So sind unsere beiden Boys also unsere Helden und wir gelangen ja auch gesund, glücklich und um ein Abenteuer reicher wieder in unser Thai-Rafthouse. Da herrscht heute angenehme Ruhe, da wir praktisch die einzigen Gäste sind. Mit Ausnahme des Frosches auf der Terrasse…
Unsere Schiff-Helden
Unsere beiden Bootsführer-Helden

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to be followed

Im Khao Sok Nationalpark

Höhepunkt unserer bisherigen Reise ist der Khao Sok Nationalpark. Wir wanderten durch den Regenwald auf der Suche nach Wasserfällen an deren Fuss man baden kann. Wir fanden idyllische Badeplätze und stellten fest, das nette Stromschnellen hier auch als Wasserfälle bezeichnet werden. Das tat unserer Freude am Baden jedoch keinen Abbruch. Erst als uns die Affen anhaltend mit Fruchtschalen zu bewerfen begannen, zogen wir wieder ab. Immerhin weiss ich jetzt, woher das Wort „Affemeis“ kommt.
Bambuswald
Aff
Die nächste Station war der wunderschöne Chiew Laan Lake, auf den man nur per Long-Boat kommt. Genächtigt wird in sogenannten „Raft-Houses“, worunter man sich einen schwimmenden Mini-Campingplatz vorstellen muss: maximal 11 Hüttchen und ein Haupthaus mit Restaurant und „sanitären Anlagen“. Unser Raft-House ist ein schwimmender Traum! Die Dusche ist der See und wir hatten – welch ein Luxus – ein Lavabo auf der Veranda (!!!) Sieht ziemlich schräg aus 🙂
 Badezimmer Kee Ree Waree
Was es allerdings auch gab, waren gewisse Verständigungsprobleme. Denn man spricht hier wirklich nur Thai und da sich Beats Thai-Kenntnisse auf kulinarische Dinge beschränken (wen wunderts?), verhungern wir zwar nicht, können aber sonst nicht Viel erreichen. Unsere Rettung kommt gegen Abend in Form eines Amerikaners mit seiner thailändischen Freundin Su, die perfekt beide Sprachen spricht. Sie rettet uns aus verschiedenen Situationen. Unter anderem möchten wir die Hütte wechseln. Nicht dass es an unserer irgendetwas zu beanstanden gäbe, aber die am Ende des Steges ist nun mal die Schönste, weil man vom Bett aus sowohl Sonnenauf-, als auch Sonnenuntergang sehen kann. Das Einzige, was man zu tun braucht, ist sich einmal umzudrehen. Su und 200 Baat machens möglich!
Kaum sind wir in unser neues Domizil eingezogen, fliegt mir eine Hornisse um die Ohren. Ich scheuche sie nach draussen, doch keine 30 Sekunden später saust das Vieh wieder an mir vorbei und flugs in den Dachstock hinauf. Dort höre ich ein äussert verdächtiges Geräusch. Ich steige also todesmutig die Bambusleiter hoch (unterm Dach gibts noch zusätzliche Schlafplätze für mind. 5 Thais und max. 2 Europäer) und da sehe ich Miss Hornisse – selbstverständlich im unzugänglichsten Winkel der Hütte – munter ein Nestchen bauen.
Also ich bin ja wirklich äusserst tierliebend aber eine Hornissenfamilie und Herr und Frau Bieler in einer Bambushütte? Geht gar nicht! Als Miss Hornisse zur nächsten Materialbeschaffung abdüst, schlage ich flugs alle Fenster und Türen zu. Schon rückt Miss Hornisse wieder an! Fliegt zunächst das Dachfenster an – ha, ha da gibts keinen Zugang mehr – kreist mehrmals ratlos um die Hütte und zieht wieder ab.
Doch ich halte es in dieser Bruthitze ja auch nicht ewig drinnen aus und kaum öffne ich die Tür, ist Miss Hornisse wieder da. Dasselbe Spiel also von vorn, nur dass ich jetzt zum Regenschirm greife, der hier vorwiegend gegen die sengende Sonne benutzt wird. Und während Frau Hornisse zur nächsten Materiallieferung abzieht – ich weiss, das ist nicht nett – zerstöre ich ihr Haus. Keine Angst – es waren erst die Grundmauern errichtet und die Hornissenhütte deshalb noch unbewohnt. Da weiss Frau Bieler Bescheid. Schöfflisdorf, Chiew Laan Lake, was Hornissen anbelangt: same, same. Ich weiss aber auch, dass sich Hornissen in gewisser Weise nicht von Menschen unterscheiden. Was macht man, wenn das Haus zerstört ist? Man baut es flugs wieder auf!
Der Regenschirm allein reicht also noch nicht aus. Jetzt muss der Giftspray her. Notfalls hätte ich das auch zeichnen können. Aber Su macht das bedeutend besser und schneller. Der Sohn unserer Vermieterin rückt an und kriegt fast einen Herzschlag, als ich mit dem Regenschirm auf das zerstörte Nest losgehe. Doch er sieht ein, dass ich gute Vorarbeit geleistet habe und er gefahrlos die Spraydose einsetzen kann. Miss Hornisse schaut genau noch einmal vorbei, riecht den Braten und lässt sich nicht mehr blicken. Ausser einem Frosch auf der Veranda stört kein Viech mehr unsere wohl verdiente Nachtruhe.
Abendstimmung Chiew Lan
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