Auf dem Chiew Lan See

Tag zwei auf dem Chiew Laan Lake. Erst jetzt verstehe ich, wieso hier alle nur eine Nacht bleiben. Ich hatte mir vorgestellt, einen Tag lang einfach vor unserem Hüttchen rumzulümmeln und immer mal wieder ins Wasser zu springen oder mit dem Kanu rumzupaddeln. Das Problem ist nur: es wird 40 Grad heiss in der Sonne und der einzige Schatten befindet sich – in der Hütte… Ausserdem gibt es nur eine Liege, auf welche problemlos 2 Thais aber nur ein Beat und keinesfalls Esti & Beat passen! Ausserdem zwei Kinderstühle und darauf will weder ich noch mein Gatte den ganzen Tag hocken. Also schnappen wir uns nochmals Su, um einen Ausflug zur Fledermaus-Höhle zu organisieren. Oh sorry, no guides today. Aber zu einer anderen Höhle würden sie uns fahren, natürlich gegen Geld für Diesel. Alles klar und no problem!
Balkon
Liege für 2 Thais und 1 Europäer plus Kinderstühle. Schatten für eine halbe Stunde….
Um 13 Uhr solls losgehen. Wir Schweizer sitzen denn auch punkt 13 Uhr mit Hut und 50+Sonnencreme bewaffnet am Pier. Ein Schiff wird kommen. Vielleicht. Irgendwann… 40 Minuten später kommt tatsächlich ein Longboat, doch der Fahrer scheint sich zu weigern, weiterzufahren. Auf keinen Fall mit uns allein. So wird kurzerhand der Sohn unserer Vermieterin, der sich ja auch schon als Insektenbekämpfer einen Namen gemacht hat, zu unserem Guide befördert. Los gehts! Es ist wunderschön, über den einsamen See zu tuckern, der Fahrtwind kühlt angenehm und das Sonnendach spendet Schatten. Die Landschaft ist grandios, einsam und verlassen. Alles perfekt!
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Morgen Safari
Doch nach einer halben Stunde hält der Kahn. Wir sichten auf einer Insel eine Handyantenne ( es gibt auf dem See kein Internet und auch keinen Telefonempfang ausser um diese Antenne herum).  Schon zückt unser Guide sein Nokia. Da wir nichts verstehen, können wir nur ahnen:
1. Das Boot ist defekt
2. Die beiden kennen den Weg zur Höhle nicht
Nach weiteren 20 Minuten gehts doch weiter – ergo war Fall 2 eingetreten. Und nach einer längeren Fahrt, einem Bushwalk und Umsteigen auf ein Bambus-Floss finden wir tatsächlich die Höhle. Unser Guide führt uns stolz mit einer Lampe in die Dunkelheit und da er vor allem an die Decke leuchtet, stolpern wir mehr durch die stockdunkle Gruft als dass wir gehen und sehen. Aber die Höhle mit ihren Stalagmiten und Stalaktiten ist eindrucksvoll.
Bambussfloss zur Höhle
Bambusfloss zur Höhle
Den Rückweg treten die beiden jungen Männer mit neu gewonnenem Selbstvertrauen an und brausen in beachtlicher Geschwindigkeit über den See. Um 18 Uhr wirds ja auch dunkel. Plötzlich gibts einen Knall und um ein Haar wären wir in hohem Bogen von Bord geflogen. Das Boot bäumt sich seitlich auf und ich bin sicher, dass wir kentern. Doch der Kahn ist gefügig und gleitet wieder in die Ausgangslage zurück. Unsere Guides sind allerdings kreidebleich geworden und jetzt muss das Boot nach möglichen Lecks genaustens untersucht werden. Der See ist nämlich ein Stausee auf dessen Grund noch immer viele tote Bäume stehen. Einige ragen sichtbar über die Wasseroberfläche, andere verbergen sich tückisch darunter… Wiederum Glück gehabt, das Boot läuft nicht voll.
Doch als wir zum Handyfelsen gelangen, wird wieder das Telefon gezückt, verhandelt, diskutiert. Allerdings ist jetzt auch der Handy-Akku leer… Guide 1 sprüht blaue Zeichen auf eine Schwimmweste. Ich verstehe ja nicht viel von Nautik aber Schwimmwesten mit Zeichen zu besprühen, bedeutet definitiv nichts Gutes!  Ich stelle mich schon darauf ein, die Nacht auf dem Kahn zu verbringen. Wir könnten ja auch zur Handy-Insel schwimmen und dort ein bisschen „Robinson, ich will raus hier“ spielen. Aber da wohnen ja die früchtewerfenden Affen und ausserdem gibts in diesem Regenwald auch noch freilebende Elefanten, Tapire und Geparde, mit denen ich ungern ein Nachtlager teile.
Bald naht ein anderes Boot und sofort gestikuliert Guide 1 wild mit der bemalten Weste und schreit – nun ja wir nehmen mal an – um Hilfe. Und die naht auch tatsächlich mit besagtem Boot: es ist ein Kanister Diesel…Es ist ja so, dass in Thailand einem niemand sagt, wenn etwas nicht i.O. ist und man auch eher eine falsche Auskunft als keine bekommt. Nein sagen oder Nichtwissen bedeutet für Thais das Gesicht zu verlieren. Das ist nun mal Kultur hier und es ist zwecklos, dagegen anzukämpfen oder gar wütend zu werden. Letzteres ist extrem unhöflich und lässt den beschimpften Thai das Gesicht noch mehr verlieren. Also besser schweigen und geschehen lassen.So sind unsere beiden Boys also unsere Helden und wir gelangen ja auch gesund, glücklich und um ein Abenteuer reicher wieder in unser Thai-Rafthouse. Da herrscht heute angenehme Ruhe, da wir praktisch die einzigen Gäste sind. Mit Ausnahme des Frosches auf der Terrasse…
Unsere Schiff-Helden
Unsere beiden Bootsführer-Helden

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to be followed

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