Von Regenmachern und Trullis

Die Sonne taucht aus dem azurblauen Meer auf, wir frühstücken auf der Terrasse, die Luft riecht nach Rosmarin und Jasmin… So hätte dieser Tag beginnen können. Tat er aber nicht. Es sah so aus:

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Es hat uns über einen zwei Meter breiten Balkon ins Zimmer geschifft, Sintflutartige Gewitterregen gingen nieder und tun es noch. Nix volare, nix schwimmen, nix Sonne. Wie sagte einst Forrest Gump? „Das Leben ist wie eine Schachtel mit Pralinen – Du weisst nie, was in denen drin ist“.

Diesmal haben wir in die Regen-Praline gebissen und das einzige, äusserst stationäre Tief in Europa erwischt! Didi sonnt sich grad auf Malta, Ihr Euch in Zürich oder sonstwo im sonnigen Norden. Und wir steuern ausnahmsweise mal nicht als Erstes einen Telefon-Laden an, um Internet zu kaufen, sondern erstehen uns zwei Knirps-Schirme beim Klamotten-Chinesen. Die Chinesen haben ja den italienischen Billig-Kleidermarkt so ziemlich komplett übernommen. Die Schirme kosteten denn auch nur 6 Euro. Allerdings war einer schon nach einer Viertelstunde im Eimer.

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Was soll’s. Hübsche Barockstädte wie Martina Franca (hier wurde übrigens schon vor 20 Jahren airbnb erfunden!) oder Locorotondo kann man auch im Regen anschauen. Es gibt ja genug Cafe-Bars, in die man flüchten kann, um mit anderen Besuchern über den Regen zu lästern.

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Wir wunderten uns bereits, dass wir in Alberobello, der Hauptstadt der Trullis, so einfach einen Parkplatz fanden und während wir durch stille Gassen flanierten und die Trullis bewunderten, kamen uns mehrmals aufgeregte Japaner oder Engländer entgegen und fragten: Wo sind die Trullis? Na hier, sagten wir, wo den sonst?

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Trulli in Alberobello

Als wir dann die Piazza del Popolo erreichten, sahen wir unseren Irrtum ein. Über tausend Trullis stehen in Alberobello , vorwiegend in zwei Stadtquartieren – ein Unesco-Weltkulturerbe. Allerdings sieht es eher aus wie Disneyland. Statt von Menschen sind die blitzblank herausgeputzten Trullis nun von Restaurants und Souvenirshops bevölkert

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Hier müsste man frühmorgens oder spätabends spazieren – Regen allein reicht nicht, um die Touri-Massen fernzuhalten. Und im ganzen Rummel vergisst man, dass die Trullis eigentlich eine traurige Geschichte haben:

Guerico, Schiefauge von Puglia, wollte keine Steuern bezahlen. Es war nämlich Pflicht, für „fest gemauerte Siedlungen“ eine Grundsteuer zu entrichten. Der geizige Guerico zwang deshalb seine Bauern, nur in Hütten zu wohnen, die aus losen Steinen erbaut wurden. Kam ein Steuerfahnder vorbei, liess er alle Steinhütten zerstören und die Steuereintreiber fanden nur noch Steinhaufen vor. Die armen Bauern mussten dann ihre eh schon armseligen Hütten mühselig wieder aufbauen.

Am besten betrachtet man sich die alten Trullis auf den Feldern des schönen Itria-Tales. Die Bauweise hat sich bis heute nicht geändert, nur das inzwischen auch Mörtel verwendet werden darf. Über eine quadratische Grundfläche wird mit flachen Kalksteinplatten ein immer enger werdendes Dachgewölbe gebaut. Die Zinne, der sogenannte „Pinnacolo“, in Form einer Kugel, Scheibe, eines Kegels oder Kreuzes krönt das Dach. Mit weisser Kalkfarbe wurden früher magische Zeichen auf das Dach gemalt. Auch wenn die Bedeutung der Zeichen heute z.T. vergessen ist, werden sie doch jedes Jahr neu aufgemalt. Und natürlich findet man in einem der Touristen-Trullis auch eine Wahrsagerin, welche uns die Bedeutung der geheimen Zeichen in Zusammenhang mit unserer Zukunft erklären will.

 

Da geniesse ich doch lieber einen cafe macchiato und lass mich von der Zukunft überraschen. Zur Zeit würde mir schon ein bisschen Sonne reichen!

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