Wo findet sich das Ferienglück?

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Am Strand von Cariati

Auf unserer Fahrt von Apulien nach Reggio Calabria haben wir zwei total verschiedene Italien erlebt. Die erste Nacht verbrachten wir im einfachen B&B Al Giglio in Cariati, einem nicht touristischen Provinzstädtchen am Golf von Taranto. Es war wundervoll. Der Vater des B&B-Besitzers zeigte uns das Zimmer mit Meersicht. Aha? Ich sah nur in die Küche unserer Nachbarn. Doch tatsächlich: Wenn ich mich auf dem kleinen Balkon in der äussersten Ecke nach links lehnte, konnte ich am Ende des Gässchens einen Zipfel Meer erblicken. Aber was spielt das für eine Rolle? Das 27 Grad warme Meer liegt uns ja zu Füssen!

Der Papa zeigte uns auch den Strand und wollte unbedingt um 18 Uhr noch zwei Liegestühle aus dem Unterstand zerren. Nur mit Mühe konnten wir ihn davon überzeugen, dass in einer halben Stunde die Sonne hinter den Bergen verschwunden sein würde. Wir schwammen eine Runde, setzten uns dann in die einzig offene Bar am Meer und schauten dem Feierabend-Flanieren zu. Grossmütter, Mütter und Kinder sassen tratschend herum, bald gesellten sich die Männer zum Bier dazu – an einem Nebentisch versteht sich! Junge Mädchen drapierten sich auf der Hafenmauer, die Jungs knatterten auf ihren Töfflis den Lungomare rauf und runter, die Mädchen stets im Blick. Später assen wir in der vom Papa empfohlenen Trattoria frischen Fisch, tranken guten Wein aus der Region und waren einfach glücklich!

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Am nächsten Morgen gingen wir früh an den Strand. Ich stieg ins Wasser und schwamm im Silberstreifen der aufgehenden Sonne entgegen. Dann setzte ich mich auf das Hafenmäuerchen und genoss das erwachende Dorf. Ein Mann spazierte mit seinem Hund vorbei. Eine ältere Frau mit Stock kneippte im flachen Strandwasser der Bucht. Jedes Mal, wenn sie nach einer Runde wieder bei mir ankam, rief sie „Meraviglioso, eh!?“

Ein zweiter Mann setzte sich ebenfalls auf die Hafenmauer und schaute abwechslungsweise in sein Handy und zur Kaktus-Bar hinüber. Endlich ging im ersten Stock ein Fenster auf und ein verstrubelter Italiener streckte seinen Kopf heraus: „Ciao, Giovanni“ rief er dem Wartenden zu. Da wusste ich: in spätestens 10 Minuten würde es in der Kaktus-Bar einen frisch gebrühten Cafe macchiata geben. Meraviglioso, eh!

Auf der Fahrt durch die Sila kommt man nach San Giovanni in Fiore durch endlose Eichenwälder. Eichenwälder im September bedeutet: Pilze! Also nix wie raus auf den nächsten Parkplatz, wo schon ein paar verlotterte Fiat Pandas stehen und rein ins Pilzparadies! Pilze gab es tatsächlich im Überfluss. Mücken und Fliegen allerdings auch. Sie waren dermassen lästig und bohrten sich sogar in meine Augen, sodass ich nach einer Viertelstunde entnervt aufgab. So müssen sich unsere Kühe fühlen! Nur habe ich keinen Schwanz, um die Saubiester wegzuwedeln. Also nix wie weg hier! Wir hatten ja sowieso erst in zwei Tagen einen Kochherd – also überliessen wir die z.T. kindskopfgrossen (!) Steinpilze besser den meist älteren Männern, die sich damit wohl ihre mickrige Pension aufbesserten.

Dafür bewunderten wir dann noch den Elefantenstein. Der steht hier einfach so rum und lässt sich ganz ohne Fliegenplage fotografieren.

Am Abend dann Tropea. Das hübsche Städtchen, rund 400 Kilometer südlich von Neapel, ist eine Schönheit. Es liegt an der Spitze einer Landzunge und wartet mit Schlössern, Barock-Kirchen und türkisfarbenem Wasser auf.

Doch uns hat es zu viele Leute – wir wollen ans Meer. In Capo Vaticano finden wir das Hotel Cala di Volpe und erhalten für 90 Euro einen Bungalow direkt am Meer. Allerdings bemerkten wir erst später, dass dies ein klassisches TUI-Feriendorf und fest in den Händen deutscher Touristen ist. Doch die Anlage ist klein und hübsch, der Bungalow geräumig und zum Meer sind es nur 5 Schritte. Allerdings: hier ticken die Uhren definitiv nicht süditalienisch! Man bekommt eine Karte zum Bezahlen der Drinks und eine Nummer für den Liegestuhl. Dieser ist allerdings schon mit einem Strandtuch „besetzt“. Strandtücher gibt’s nur an der Rezeption. Das bedeutet: in Badehose zurück auf Feld 1. Die Rezeption liegt nämlich am anderen Ende der Anlage…

Der Pool wird um 19 Uhr zugesperrt, Abendessen gibt’s ab 19.30 Uhr. Normalerweise öffnen Restaurants hier im Süden frühestens um 20.30 Uhr. Punkt 19.30 Uhr sind alle Tische besetzt, während wir noch verblüfft an unseren Sundowners nippen. In der Bar ergattern wir noch einen kleinen Tisch und zu meiner Verblüffung bestellt Beat zum ersten Mal auf dieser Reise einen Halben „vino di casa“. Ausgerechnet im TUI-Dorf! Wir stossen an – und hätten den ersten Schluck beinahe wieder ausgespukt. Das war kein Wein, das war Essig! Doch der Kellner tauschte den vino aperto anstandslos gegen eine Flasche guten Roten aus und sagte augenzwinkernd, sie würden uns vino di casa nicht verrechnen. Da hatten wir nochmals Glück gehabt. Der hätte uns nämlich 4 Euro gekostet!

Doch einen Abend lang dem Treiben eines Feriendorfes zuzusehen ist sehr amüsant. Es erinnert mich an meine ersten Ferien am Meer im toskanischen Follonica. Was war das für ein Ereignis! Zum ersten Mal am Meer! In einem eigenen Bungalow! Wahnsinn!

Denn auch das ist Italien. Hier lebt man vom Tourismus und Anlagen wie das Cala di Volpe ermöglichen es nordeuropäischen Familien günstig Ferien am Meer zu verbringen. Auch ohne Italienischkenntnisse. Die Kinder verschiedenster Familien haben sich schon lange gefunden und spurten glücklich durch das Feriendorf. Die Eltern können in Ruhe essen und trotzdem ihre Sprösslinge im Auge behalten. Am Nachbartisch sitzt eine holländische Familie mit zwei Jungs. Der Dreijährige verschwindet für ein paar Minuten, um kurz danach mit frittierten Käsekugeln zurück zu kommen. Er hatte sie sich selber in der Küche „besorgt“. Ein blonder Junge und ein dunkelhaariges Mädchen, beide etwa 6 Jahre alt, sind unzertrennlich. Und wir sind sicher, dass der Junge in 30 Jahren erzählen wird: „Meine erste Freundin hatte ich in Tropea und sie war das schönste Mädchen, das ich je gesehen hatte“. Und beide werden bestimmt irgendwann nach Tropea zurückkommen. Amore mio!

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