Erdbeerbäume und Postino-Romantik

pollara

Pollara

Hallo, seid Ihr noch da? Bin grad von Tante Ju aus meiner Insel-Lethargie geholt worden. Die Tragflügelboote, welche hier ab und zu vorbeidonnern, tönen wirklich wie unsere alte Tante Ju, die Dame der Luftfahrt. Und wenn ich nun schon wach bin, können wir ja auch mal die Wanderschuhe schnüren. Auf der Insel Salina gibt’s nicht so tolle Badestrände, dafür ein paar aussichtsreiche Wanderwege. Zum Beispiel auf die beiden Insel-Vulkane Monte Fossa delle Felci (Farn-Berg) und Monte dei Porri (Lauch-Berg). Da es heute aber zu heiss für eine Vulkanbesteigung ist, wandern wir von Pollara nach Leni, der Flanke des Lauch-Berges entlang. Der Aufstieg (und Abstieg!) entpuppt sich dann allerdings doch noch als ziemlich schweisstreibend. Dafür werden wir mit herrlichen Aussichten belohnt!

Auch die Vegetation ist hier ziemlich anders als bei uns. Macchia, Kapernbüsche, Olivenbäume, Zystrosen, Feigen-Kakteen und Erdbeerbäume wechseln sich je nach Höhenlage ab. Dazwischen viele Trockensteinmauern und vulkanisches Geröll. Die Erdbeerbäume tragen gleichzeitig Blüten und Früchte, die „Erbeeren“ reifen aber erst im Winter völlig aus und sind sogar geniessbar. Der Heidestrauch soll gegen Abgase resistent sein, weshalb man ihn jetzt auch in Städten anzupflanzen versucht. Der Arme – hier hat er’s doch viel schöner und muss nur den Abgasen von Tante Ju und Co. widerstehen.

Feigen-Kaktus und Erdbeerbaum

Jetzt haben wir uns einen Aperitivo in Pollara verdient. Das hübsche Dörfchen auf einer Krater-Terrasse wurde durch den Film „Il Postino“ 1994 weltberühmt. Den Oscar erhielt er zwar nur für die beste Filmmusik, dafür aber 18 andere wichtige Filmpreise.

Der Fischer Mario (Massimo Troisi) radelt im Film täglich nach Pollara, um dem im Exil lebenden chilenischen Dichter Pablo Neruda (Philippe Noiret) seine Fan- und Liebesbriefe zu bringen. Der Dichter schreibt dann für den ungebildeten Mario Liebesbriefe für die schöne Beatrice (Maria Grazia Cucinotta), deren Herz Mario so erobern kann. Bis heute wird der Film in der Bar neben der Kirche jeden Abend um 18 Uhr gezeigt.

Während wir am Meer sitzen und zusehen, wie die Flut leider unseren Badeplatz verschluckt, spricht uns eine Frau an. Sie hat das Film-Haus offenbar gekauft und möchte es jetzt an Gäste vermieten. Falls also mal jemand Lust auf Ferien an diesem wirklich zauberhaften Ort verspürt: Wir haben die Telefon-Nummer!

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