Gummistiefel und Sturmvögel

Es geht los. Mit der MS Bremen stechen wir am 6. Dezember in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, in See. Das Wetter ist trüb und regnerisch, doch zur Abfahrtszeit um 18 Uhr klart es auf und wir geniessen die Ausfahrt vom obersten Deck.

Nur 150 Gäste befinden sich an Bord dieses eher kleinen Kreuzfahrt-Eisbrechers. Eisbrecher ist allerdings ein bisschen geschummelt: Kreuzfahrtschiffe können kein Eis brechen, sie können das Eis bloss wegschieben. Na, dann wollen mir mal hoffen!

Den ersten Tag sind wir auf See und einer der wichtigsten Programmpunkte lautet: Gummistiefel und wasserdichte Jacken fassen. Stockwerk 5, 6 und 7 sind um 15 Uhr dran. Eigentlich wollte man dies ein bisschen zeitlich verteilen, doch die Schweizer stehen mit ihrem Hang zur Überpünktlichkeit bereits alle um 14.55 Uhr auf der Matte. Man könnte meinen, es ginge um die letzte Ration Proviant an Bord. Eine Kreuzfahrt, die ist lustig …

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Um sich die Zeit an Bord zu vertreiben, werden viele, sehr interessante Vorträge geboten. Und man kann sich mit Pinguin-Experten (Benno Lüthi), Raumfahrern (Claude Nicollier), Wetterfröschen (Thomas Kleiber) oder Biologen unterhalten. Ich habe tatsächlich noch nie in Gesellschaft eines Raumfahres, eines Gartenbau-Unternehmers und einer Biologin so zwanglos und unterhaltsam gefrühstückt! Es gibt auch beim Nachtessen keine Sitzordnung. Man sitzt, wo gerade ein Platz frei ist und lernt so immer wieder neue Mitreisende kennen. Sehr interessant!

Auch die grosse Garderobe kann man auf einer Antarktis-Kreuzfahrt getrost vergessen. Die Stars sind ja nicht die aufgedonnerten Gäste, sondern die Tiere. Bereits in den ersten 24 Stunden haben wir Folgendes gesichtet: Drei Delphine (schwammen eine Minute lang neben dem Schiff), einen Seehund (dreimal Kopf auftauchen) und Dutzende von Sturmvögeln (einer hat mir fast auf den Kopf geschissen).

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Sturmvögel sehen aus wie dunkle Riesen-Möven mit deformierten Schnäbeln (Röhren-Schnäbel) und begleiten das Schiff auf Hunderten von Kilometern. Ein kleines Gelenk zwischen den Schulterblättern lässt sich so einrasten, dass sie die Flügel nicht ständig bewegen müssen, sondern einfach mit ausgebreiteten Schwingen segeln können. Sie leben vom und überm Meer und können sogar im Fliegen schlafen. Eine Eigenschaft, die sich offenbar auch unser Kapitän angeeignet hat: Während er schläft, pflügt sich das Schiff ganz von alleine durch die Wellen. Oder anders ausgedrückt: Der Autopilot wurde in Tat und Wahrheit von Sturmvögeln erfunden!

Antarktis-Lektion Nr. 1: Multitasking wurde von Vögeln erfunden

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