Ode an die Eiswüste

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Niemand verlässt den Palast des Eises, Antarktika, unberührt. Was bleibt, ist Erinnerung. Und eine neue Sehnsucht. Man möchte wiederkommen. Immer wieder …

Hast du das grosse Schweigen erlebt,
hast du gewagt, das Unbekannte aufzusuchen,
unbekannte Wege begangen,
die weissen Flecke der Karte gekreuzt.
Hast du entbehrt, gedürstet, gesiegt,
bist aufgegangen in der Grösse des Alls?
Hast du Gott in seiner unendlichen Grösse gesehen,
den Text gehört, den die Natur dir predigt?
Dann lausche auf die Weite, sie ruft dich zurück!

 Von Fridtjof Nansen (1861-1930) – norwegischer Polarforscher

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Im Palast des ewigen Eises

Und endlich, endlich sind wir im Land des ewigen Eises angekommen. Frühmorgens fahren wir durch den schmalen Lemaire-Kanal. Es ist, als ob man durch eine geheime Tür in ein Wunderland käme. Den ganzen Tag verbringen wir auf Deck und lassen uns einfach verzaubern. Eine Landschaft, so still und magisch, so anders als alles, was wir bisher gesehen haben. Es ist, ach was soll ich sagen… Bilder sagen mehr als 1000 Worte!

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Einfahrt in den Lemaire-Kanal

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Antarktis-Lektion Nr. 15: Die eindrücklichsten Erlebnisse findet man in der Stille

Eis-Land in Sicht!

Willkommen im Land der Wunder, wo Wasserfälle aufwärts fliessen (Wind!), roter Schnee liegt (Algen), Gletscher direkt ins Meer kalben und Menschen Unmenschliches vollbracht haben. Im Positiven wie im Negativen.

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Im Drygalski Fjord

Wäre die Antarktis nicht so weit von aller Zivilisation entfernt, so unwirtlich kalt und unbewohnbar, das Eis so undurchdringlich dick, würde man sicher auch hier längst Ölplattformen bauen. Sollte Wasser auf der Welt eines Tages wirklich knapp werden, sind die Süsswasservorräte hier in Gefahr. Bereits wurde versucht, Eisberge mit Schutzblachen versehen per Schiff nach Argentinien abzuschleppen. Gottseidank hat sich das nicht bewährt: Der Eisberg endete vor der Küste als Wasser im Pazifik…

Während die nördliche Arktis als Eismeer, umgeben von bewohnten Kontinenten beschrieben wird, ist die Antarktis ein unbewohnter Kontinent, umgeben vom Südpolarmeer. Das macht die Region hier ziemlich einsam. Aber genau das ist auch so faszinierend.

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Zodiac-Fahrt im vereisten Drygalski-Fjord

Mir ist, als wären wir über Nacht auf einem anderen Planeten gelandet. Einem Planeten, den wir in seiner Schönheit aber auch in seiner Wildheit kaum fassen können. Ich fühle mich hier so winzig klein, den Naturgewalten so hilflos ausgeliefert, dass mir unser Schiff wie eine schützende Raumkapsel vorkommt. Jetzt verstehe ich auch, warum wir einen Astronauten an Bord haben. Claude Nicollier bestätigt, dass es sich im Weltall ganz ähnlich anfühlt wie in der Antarktis: überwältigend!

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So klein ist hier der Mensch: Zodiac vor Gletscher

Der antarktische Kontinent wurde erst im Jahr 1820 entdeckt und ist grösser als Australien. 98% des Landes sind komplett von Eis bedeckt. Das Eis auf dem Polarplateau hat eine mittlere Mächtigkeit von 2160 Metern, die grösste bisher gemessene Mächtigkeit beträgt 4776 Meter. Rund 80% der gesamten Süsswasservorkommen der Erde befinden sich in der Antarktis. Würde das gesamte Eis plötzlich abtauen, stiegen die Meeresspiegel um über 80 Meter an.

2013 wurde im Landesinneren ein neuer Kälterekord vermessen: minus 93,2 Grad. Und falls Ihr Euch immer noch nicht für die Antarktis erwärmen könnt: Es ist der kälteste, höchste, trockenste, entlegenste, unzugänglichste, am dünnsten besiedelte und windigste Kontinent der Erde. Willkommen im Tiefkühlschrank unseres Planeten!

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Man darf hier auch ein bisschen Titanic spielen. Leider ohne  Mann – jemand muss ja fotografieren…

Antarktis-Lektion Nr. 18: Die Antarktis muss unbedingt weiterhin geschützt werden!

 

Eier-Gate im Pinguin-Camp

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Es tut mir leid, ich muss nochmals von Pinguinen und Robben erzählen. Eine Spezies haben wir nämlich noch gar nicht vorgestellt. Den Esel-Pinguin. Er heisst tatsächlich so und ist ein sehr hübsches Kerlchen mit rotem Schnäbelchen und weissen Flecken über den Augen. Seinen Namen verdankt er nicht etwa Eselsohren, sondern seiner verbalen Kommunikation: er schreit wie ein Esel: ia, ia, ia.

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Wir könnten Stunden verbringen inmitten dieser putzigen Viecher und ihnen einfach nur zusehen, wie sie watscheln, robben, hüpfen und dazu kreischen, singen, röhren und auch mal lautstark görpsen und furzen. Öfters geht es rau zu und her. Die männlichen Pelzrobben liefern sich ständig irgendwelche Scharmützel und die Pinguine verpassen einem Stalker, der es auf ihre Frau abgesehen hat, auch mal eine kräftige Ohrfeige.

Pinguine brüten ihre Eier auf den Füssen oder unterm Bauch aus und je nach Art, wechseln sich Weibchen und Männchen ab. Einer geht fressen, der andere hält die Eier warm und schützt sie vor räuberischen Skua-Vögeln.

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Die Pinguine wehren einen Skua-Angriff erfolgreich ab

Es gibt übrigens auch schwule Pinguine. Manche hätten auch gerne Kinder. Und weil das Ding mit der Leihmutterschaft, Ei- und Samenspende noch nicht bis in die Antarktis vorgedrungen ist, schrecken sie nicht davor zurück, einer werdenden Mama das Ei zu klauen. Das brüten die beiden Männchen dann gemeinsam aus. Genauso kidnappen weibliche, kinderlose Pinguinfrauen das Jungtier einer Nachbarin. Und dabei gehen sie gar nicht zimperlich vor! Manchmal stürzen sich gleich mehrere Single-Frauen auf ein hilfloses Jungtier und erdrücken es schon mal in ihrem unerfüllten Mutter-Wunsch-Rausch. Pinguine sind halt auch nur Menschen, wie unser Pinguin-Experte lakonisch meinte. Oder sollte man nicht eher sagen: Menschen sind manchmal auch nur Pinguine??

Pinguine brüten gerne auf Felsen. Die Felskämme sind im arktischen Sommer schneller schneefrei und die Zeit drängt. Der Sommer ist kurz, die Brut muss rasch flügge werden. Da es kaum Vegetation gibt, bauen Pinguine ihre Nester aus Steinen. Diese klauen sie ebenfalls oft beim Nachbar, wenn der grad nicht aufpasst. Geht schneller und verbraucht kaum Energie.

Tagesbeschäftigung Nr. 1: Nachbars Steine klauen fürs eigene Nest 

Oft ist der Weg vom Nest zum Meer steil und lang. Die Tiere hüpfen den Schneepfad mehrmals täglich hoch, was unglaublich viel Energie verbraucht. Um sich zu kühlen, stellen sie ihre Flügel raus und heben die Füsschen an (s. Blog Antarktis-Yoga, Übung Kamel)

Runter zum Meer geht es dann allerdings ganz schnell: bäuchlings auf einer Schnee-Rutschbahn. Wir liessen es uns nicht nehmen, den Rückweg ebenfalls auf Pinguin-Art anzutreten: Auf dem Füdli diretissima zum Meer. Und geschrien haben wir ebenfalls wie Esel-Pinguine: ja, ja, ja!!!!

Antarktis-Lektion Nr. 12: Pinguine sind auch nur Menschen

Weihnachtsmarkt im Friedhof der Eisberge

So ein bisschen müssen wir ja schon noch aus dem Nähkästchen unseres Schiffsbauchs plaudern. Schiffe werden bekanntlich hierarchisch geführt und so gibt es hier auch ein straffes Tagesprogramm. Geweckt wird man vom Kapitän persönlich, je nach Anlandungen auch mal um 5.30 Uhr. Er macht das aber sehr charmant. Nur er darf an öffentliche Ansagen folgendes Schlusswort hängen: “ Bla, bla,bla … und geniessen Sie das Leben“. Captains word is law!

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Kapitän Jörn Gottschalk und Petra Müllensiefen, Leitender Offizier (es gibt keine weibliche Berufsbezeichnung!)

Bevor wir das Schiff verlassen dürfen, ist ein strikter Tenü-Fez einzuhalten. Dabei wird in Schichten gearbeitet, also in Kleiderschichten. Wenn wir schon aussehen wie dicke Pinguine und unsere Arme auch nur noch so ein bisschen seitlich flattern lassen können, muss noch eine Schwimmweste drüber. Gegen die Kälte haben sich verschiedene Tricks bewährt. Der Originellste ist, sich für eine kalte Schlauchboot-Fahrt zwei heisse Rheumapflaster auf die Po-Backen zu kleben.

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Michelin-Männchen auf dem Zodiac

Bevor wir ins Schlauchboot steigen, müssen wir unsere Jacken staubsaugen und durch die Stiefel-Waschanlage. Dadurch soll verhindert werden, dass wir irgendwelche Samen oder Krankheiten von einer Insel zur anderen tragen. Und ganz ehrlich, ein bisschen dient es auch der Sauberkeit im Schiff: Die Pingu- und Robbenscheisse möchte man wirklich nicht im Zimmer haben!

Staubsaugen (okay, nur 1 mal) dafür täglich mehrmals durch die Waschanlage

Ansonsten lassen wir uns treiben. Und verwöhnen. Essen könnte man den ganzen Tag. Was hier kulinarisch geboten wird, ist eine Wucht! Boss in der Küche ist Frau Happe. Wir vergöttern sie!

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Frau Happe mit der Krabbe

Höhepunkt ist ein Weihnachtsmarkt auf Deck. Ja, Ihr habt richtig gelesen! Frau Happe hat mit ihrer phänomenalen Crew einen kulinarischen Weihnachtsmarkt auf dem Oberdeck aufgebaut. An mit Lebkuchen dekorierten Ständen servierte man Spanferkel, Grilladen, Salate, Bier, Glühwein, Punsch, gebrannte Mandeln und Weihnachtsgebäck.

Und während wir am Glühwein nippen, driften rechts und links vom Schiff endlich die heiss ersehnten Eisberge vorbei! Seit Tagen freuen wir uns auf sie. Die nördlicher gelegenen Inseln Falkland und Südgeorgien liegen nämlich noch nicht im Eismeer. Je näher wir dem antarktischen Festland kommen, desto zahlreicher erscheinen sie aber nun im Meer. Wie gigantische Kathedralen, Arkaden-Palazzi oder Riesen-Tiere driften die Tafel-Eisberge vorbei. Eisberge können bis zu 100 Meter hoch werden. Der grösste vermessene Eisberg war 167 Meter hoch – über der Wasserlinie. 90% des Eisbergs liegen ja bekanntlich unter Wasser.

Manche Eisberge werden bis zu 4 Jahre alt und sterben im arktischen Sommer einen äusserst langsamen Tod. Wo viele Eisberge anlanden, nennt man das dann einen Eisberg-Friedhof. Und darin findet jetzt grad unser Weihnachtsmarkt statt.

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Weil man so was wirklich feiern muss, macht DJ Nadine Musik. Anfangs ein paar scheue Weihnachtslieder doch bald schwenkt sie in die rockige Abteilung um. Zum ersten – und wohl einzigen Mal in unserem Leben – tanzten wir zwischen Eisbergen Rock’n’Roll. Oh du Fröhliche!

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Antarktis-Lektion Nr. 9: Es gibt keine glühweinfreien Zonen mehr auf diesem Planeten!

Vom Tier-Paradies zur Tier-Hölle

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Ehemalige Walfangstation Stromness auf Südgeorgien

Südgeorgien ist eine Inselgruppe südwestlich von Feuerland und gehört wie die Falklandinseln zu England. Im Winter ist die Insel vollkommen vereist, die Berge sind fast 3000 Meter hoch. Seit 1967 ist hier die BAS (British Antarctic Survey) wissenschaftlich tätig. Was viele nicht wissen: Der Falklandkrieg begann hier. Ein Versorgungsschiff kaperte die Insel und hielt die Forscher 11 Tage lang auf einem Schiff fest. Drei Wochen später wurde Südgeorgien befreit. Die Armee errichtete darauf hin am King Edward Point eine Garnison mit militärischen und zivilen Aufgaben. Seit 2001 ist die Militärstation wieder eine rein zivile Forschungsstation der BAS.

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250’000 Königspinguine und See-Elefanten leben heute auf Südgeorgien, mehr als 1 Million Pelzrobben und Goldschopf-Pinguine (Macaronis). Doch das war nicht immer so …

Von 1904 bis 1965 wurde hier fast der gesamte Robbenbestand ausgemerzt, die einst reichen Walbestände bis auf einige hundert Tiere abgeschlachtet. Den Robben zog man bei lebendigem Leib das Fell ab und schickte es nach China. Die Wale wurden mit Harpunen getötet, mit Pressluft gefüllt und an Land geschleppt. An „guten“ Tagen wurden bis zu 25 Grosswale zerlegt, ausgekocht und das wertvolle Walöl in alle Welt verschifft. Allein in der Walfangstation Grytviken tötete man 54’000 Wale, auf allen Stationen Südgeorgiens zusammen waren es 175’000 Tiere. In der gesamten Antarktis über 2 Millionen. Zusätzlich wurden noch jedes Jahr 50’000 Robben abgeschlachtet. Die Gier der Menschen kannte schon damals keine Grenzen.

Seit 1961 schützt der Antarktis-Vertrag, der von 39 Ländern mitunterzeichnet ist, dieses empfindliche Gebiet und die Robbenbestände haben sich glücklicherweise vollständig erholt. Die Wale allerdings konnten niemals mehr ihre alten Bestände erreichen.

Der Norweger Carl Anton Larsen gründete 1904 die erste Walfangstation im günstig gelegenen Cumberland Sund von Südgeorgien. Weil er dort einen grossen, eisernen Tran-Siedekessel aus früheren Zeiten fand, nannte er den Ort Grytviken, was auf norwegisch so viel wie „grosse Topf-Bucht“ heisst. Larsen kam mit 60 norwegischen Walfängern und erstellte innert kürzester Zeit die erste vollindustrialisierte Walfangstation auf Südgeorgien. Es entstanden ein Pier, Schleppbahnen für die erlegten Wale, Werkstätten, Tran-Siedereien, Unterkünfte, ein Verwalterhaus, und eine Bäckerei. Der erste Erlös aus dem Walfang ermöglichte die Erweiterung der Station um Gefrierhäuser und riesige Walöl-Tanks.

Um das harte Leben in dieser kalten Einsamkeit einigermassen erträglich zu machen, wurde 1913 aus Norwegen eine Kirche importiert und höhere Angestellte durften ihre Frauen mitbringen. Das erste Baby, ein Mädchen, kam am 8. Oktober 1913 hier zur Welt. Ein Pfarrer baute einen Fussballplatz und 1937 eröffnete sogar ein Kino.

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Walfangstation Grytviken

Nachdem die Tiere praktisch ausgerottet waren, rentierte der Walfang nicht mehr und die Stationen wurden aufgegeben. Noch wird darüber diskutiert, wer den Rückbau der aspestverseuchten Gebäude bezahlen soll. Immerhin hat man gerade erfolgreich in einem mehrjährigen Projekt mit viel Geld die eingeschleppten Ratten ausgerottet (sie dezimierten alle einheimischen bodenbrütenden Vögel) und vor ein paar Jahren wurde das letzte, ebenfalls von Norwegern eingeführte Rentier erschossen. Die Rentiere frassen das gesamte Tussock-Gras, welches Pinguinen und Pelzrobben als Brutplatz und Rückzugsort dient. Man möchte die Insel wieder den einheimischen Tieren und Pflanzen zurückgeben.

Grytviken wurde saniert und die Station kann besucht werden. Ein Museum dokumentiert eindrücklich die Zeiten des Walfangs. Idyllisch liegt die kleine Kirche über der Bucht, Pinguine und Pelzrobben sind nun die neuen Dauer-Bewohner der ehemaligen Walfangstation. Doch über dem Ort liegt bis heute der Hauch des Todes und man verlässt diesen Ort ganz gerne wieder.

Antarktis-Lektion Nr. 7: Mieses Karma gibts sogar in der Antarktis

 

Von Walen und grossen Schnauzen

Habt Ihr gewusst, dass ein Blauwal grösser als jeder Dinosaurier ist, der je auf der Erde gelebt hat? Dass Skua-Vogel-Scheisse so grauslig stinkt, dass man auf einem Kreuzfahrtschiff sehr einsam wird? Dass Pinguine massgeblich an den Frisuren-Trends Europas beteiligt sind?

An Seetagen erfährt man solche und viele andere spannende Dinge über die Antarktis. Die Kraft des Meeres wird einem äusserst anschaulich vermittelt. Die Anzahl sichtbar im Schiff deponierter Kotztüten (leer, natürlich!) sagt viel über aktuelle Wellenhöhe und Windstärke aus.  Heute z.B. 4.5 Meter bei 7 Beaufort.

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Während wir dem interessanten Wal-Vortrag unserer Schiffs-Biologin lauschen, fühle ich mich zunehmend selber wie ein Wal:  Auftauchen, Luft holen, abtauchen, ausatmen. Sogar die seetauglichsten Fragesteller schweigen jetzt wie Buckel-Wale. Um sein Riesen-Maul zu öffnen, verbraucht ein Wal nämlich sehr viel Energie, da er enorme Wassermassen verdrängen muss. Er öffnet seine Maul also nur, wenn es sich lohnt: Ein einziges Maul-Auf spült ihm dafür locker 480 Millionen Kalorien in den Rachen! En Guete …

Antarktis-Lektion Nummer 4: Immer gut nachdenken, bevor man das Maul aufreisst …

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Gummistiefel und Sturmvögel

Es geht los. Mit der MS Bremen stechen wir am 6. Dezember in Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, in See. Das Wetter ist trüb und regnerisch, doch zur Abfahrtszeit um 18 Uhr klart es auf und wir geniessen die Ausfahrt vom obersten Deck.

Nur 150 Gäste befinden sich an Bord dieses eher kleinen Kreuzfahrt-Eisbrechers. Eisbrecher ist allerdings ein bisschen geschummelt: Kreuzfahrtschiffe können kein Eis brechen, sie können das Eis bloss wegschieben. Na, dann wollen mir mal hoffen!

Den ersten Tag sind wir auf See und einer der wichtigsten Programmpunkte lautet: Gummistiefel und wasserdichte Jacken fassen. Stockwerk 5, 6 und 7 sind um 15 Uhr dran. Eigentlich wollte man dies ein bisschen zeitlich verteilen, doch die Schweizer stehen mit ihrem Hang zur Überpünktlichkeit bereits alle um 14.55 Uhr auf der Matte. Man könnte meinen, es ginge um die letzte Ration Proviant an Bord. Eine Kreuzfahrt, die ist lustig …

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Um sich die Zeit an Bord zu vertreiben, werden viele, sehr interessante Vorträge geboten. Und man kann sich mit Pinguin-Experten (Benno Lüthi), Raumfahrern (Claude Nicollier), Wetterfröschen (Thomas Kleiber) oder Biologen unterhalten. Ich habe tatsächlich noch nie in Gesellschaft eines Raumfahres, eines Gartenbau-Unternehmers und einer Biologin so zwanglos und unterhaltsam gefrühstückt! Es gibt auch beim Nachtessen keine Sitzordnung. Man sitzt, wo gerade ein Platz frei ist und lernt so immer wieder neue Mitreisende kennen. Sehr interessant!

Auch die grosse Garderobe kann man auf einer Antarktis-Kreuzfahrt getrost vergessen. Die Stars sind ja nicht die aufgedonnerten Gäste, sondern die Tiere. Bereits in den ersten 24 Stunden haben wir Folgendes gesichtet: Drei Delphine (schwammen eine Minute lang neben dem Schiff), einen Seehund (dreimal Kopf auftauchen) und Dutzende von Sturmvögeln (einer hat mir fast auf den Kopf geschissen).

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Sturmvögel sehen aus wie dunkle Riesen-Möven mit deformierten Schnäbeln (Röhren-Schnäbel) und begleiten das Schiff auf Hunderten von Kilometern. Ein kleines Gelenk zwischen den Schulterblättern lässt sich so einrasten, dass sie die Flügel nicht ständig bewegen müssen, sondern einfach mit ausgebreiteten Schwingen segeln können. Sie leben vom und überm Meer und können sogar im Fliegen schlafen. Eine Eigenschaft, die sich offenbar auch unser Kapitän angeeignet hat: Während er schläft, pflügt sich das Schiff ganz von alleine durch die Wellen. Oder anders ausgedrückt: Der Autopilot wurde in Tat und Wahrheit von Sturmvögeln erfunden!

Antarktis-Lektion Nr. 1: Multitasking wurde von Vögeln erfunden

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