Ode an die Eiswüste

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Niemand verlässt den Palast des Eises, Antarktika, unberührt. Was bleibt, ist Erinnerung. Und eine neue Sehnsucht. Man möchte wiederkommen. Immer wieder …

Hast du das grosse Schweigen erlebt,
hast du gewagt, das Unbekannte aufzusuchen,
unbekannte Wege begangen,
die weissen Flecke der Karte gekreuzt.
Hast du entbehrt, gedürstet, gesiegt,
bist aufgegangen in der Grösse des Alls?
Hast du Gott in seiner unendlichen Grösse gesehen,
den Text gehört, den die Natur dir predigt?
Dann lausche auf die Weite, sie ruft dich zurück!

 Von Fridtjof Nansen (1861-1930) – norwegischer Polarforscher

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Im Palast des ewigen Eises

Und endlich, endlich sind wir im Land des ewigen Eises angekommen. Frühmorgens fahren wir durch den schmalen Lemaire-Kanal. Es ist, als ob man durch eine geheime Tür in ein Wunderland käme. Den ganzen Tag verbringen wir auf Deck und lassen uns einfach verzaubern. Eine Landschaft, so still und magisch, so anders als alles, was wir bisher gesehen haben. Es ist, ach was soll ich sagen… Bilder sagen mehr als 1000 Worte!

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Einfahrt in den Lemaire-Kanal

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Antarktis-Lektion Nr. 15: Die eindrücklichsten Erlebnisse findet man in der Stille

Weihnachtsmarkt im Friedhof der Eisberge

So ein bisschen müssen wir ja schon noch aus dem Nähkästchen unseres Schiffsbauchs plaudern. Schiffe werden bekanntlich hierarchisch geführt und so gibt es hier auch ein straffes Tagesprogramm. Geweckt wird man vom Kapitän persönlich, je nach Anlandungen auch mal um 5.30 Uhr. Er macht das aber sehr charmant. Nur er darf an öffentliche Ansagen folgendes Schlusswort hängen: “ Bla, bla,bla … und geniessen Sie das Leben“. Captains word is law!

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Kapitän Jörn Gottschalk und Petra Müllensiefen, Leitender Offizier (es gibt keine weibliche Berufsbezeichnung!)

Bevor wir das Schiff verlassen dürfen, ist ein strikter Tenü-Fez einzuhalten. Dabei wird in Schichten gearbeitet, also in Kleiderschichten. Wenn wir schon aussehen wie dicke Pinguine und unsere Arme auch nur noch so ein bisschen seitlich flattern lassen können, muss noch eine Schwimmweste drüber. Gegen die Kälte haben sich verschiedene Tricks bewährt. Der Originellste ist, sich für eine kalte Schlauchboot-Fahrt zwei heisse Rheumapflaster auf die Po-Backen zu kleben.

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Michelin-Männchen auf dem Zodiac

Bevor wir ins Schlauchboot steigen, müssen wir unsere Jacken staubsaugen und durch die Stiefel-Waschanlage. Dadurch soll verhindert werden, dass wir irgendwelche Samen oder Krankheiten von einer Insel zur anderen tragen. Und ganz ehrlich, ein bisschen dient es auch der Sauberkeit im Schiff: Die Pingu- und Robbenscheisse möchte man wirklich nicht im Zimmer haben!

Staubsaugen (okay, nur 1 mal) dafür täglich mehrmals durch die Waschanlage

Ansonsten lassen wir uns treiben. Und verwöhnen. Essen könnte man den ganzen Tag. Was hier kulinarisch geboten wird, ist eine Wucht! Boss in der Küche ist Frau Happe. Wir vergöttern sie!

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Frau Happe mit der Krabbe

Höhepunkt ist ein Weihnachtsmarkt auf Deck. Ja, Ihr habt richtig gelesen! Frau Happe hat mit ihrer phänomenalen Crew einen kulinarischen Weihnachtsmarkt auf dem Oberdeck aufgebaut. An mit Lebkuchen dekorierten Ständen servierte man Spanferkel, Grilladen, Salate, Bier, Glühwein, Punsch, gebrannte Mandeln und Weihnachtsgebäck.

Und während wir am Glühwein nippen, driften rechts und links vom Schiff endlich die heiss ersehnten Eisberge vorbei! Seit Tagen freuen wir uns auf sie. Die nördlicher gelegenen Inseln Falkland und Südgeorgien liegen nämlich noch nicht im Eismeer. Je näher wir dem antarktischen Festland kommen, desto zahlreicher erscheinen sie aber nun im Meer. Wie gigantische Kathedralen, Arkaden-Palazzi oder Riesen-Tiere driften die Tafel-Eisberge vorbei. Eisberge können bis zu 100 Meter hoch werden. Der grösste vermessene Eisberg war 167 Meter hoch – über der Wasserlinie. 90% des Eisbergs liegen ja bekanntlich unter Wasser.

Manche Eisberge werden bis zu 4 Jahre alt und sterben im arktischen Sommer einen äusserst langsamen Tod. Wo viele Eisberge anlanden, nennt man das dann einen Eisberg-Friedhof. Und darin findet jetzt grad unser Weihnachtsmarkt statt.

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Weil man so was wirklich feiern muss, macht DJ Nadine Musik. Anfangs ein paar scheue Weihnachtslieder doch bald schwenkt sie in die rockige Abteilung um. Zum ersten – und wohl einzigen Mal in unserem Leben – tanzten wir zwischen Eisbergen Rock’n’Roll. Oh du Fröhliche!

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Antarktis-Lektion Nr. 9: Es gibt keine glühweinfreien Zonen mehr auf diesem Planeten!